Der große Traum vom Fliegen

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Katharina Kraus

30. Oktober 2017

Alex und Mike im Motorsegler. Foto: Alexander Keller
Segelflug_Alex

Alex und Mike im Motorsegler. Foto: Alexander Keller

Den Traum vom Fliegen haben bestimmt viele. Einmal über den Wolken schweben und die Welt von oben betrachten. In einem Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub haben das bestimmt schon einige erlebt, doch selbst geflogen sind wahrscheinlich die wenigsten. Alex aus Hettstadt hebt schon seit seiner Jugend ab und erzählt im Interview über sein „abgehobenes“ Hobby.

Erzähle doch kurz etwas über dich:

Mein Name ist Alexander Keller, ich bin 20 Jahre alt und stamme aus Hettstadt. Aktuell mache ich ein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur. Dabei wechselt mein Wohnort in meist 3-monatigen Abständen immer zwischen Würzburg und Friedrichshafen am Bodensee. In einem Jahr werde ich das Studium mit dem Bachelor abschließen. Trotz Arbeit und Studium findet sich aber noch genug Zeit, um meinem Hobby, dem Flugsport nachzugehen.

Wie bist du zum Fliegen gekommen und wie lange machst du das schon?

Schon als kleines Kind war das schönste an Urlauben eigentlich immer der Flug. Besonders auf den Start habe ich jedes Mal hin gefiebert. Ich war also schon seit ich denken kann flugbegeistert, wollte sogar mal Pilot werden – wie vermutlich jedes Kind irgendwann mal. Als ich über die Zeitung durch Zufall erfahren habe, dass man schon mit 14 Jahren die Ausbildung zum Segelflugzeugführer anfangen kann, standen mein Vater und ich keine Stunde später bei unserem Nachbarn Mike, der praktischerweise Ausbildungsleiter an unserem Flugplatz ist.

Ausbildungsleiter Mike und Alex nach seinem ersten Alleinflug. Foto: Alexander Keller

Ausbildungsleiter Mike und Alex nach seinem ersten Alleinflug. Foto: Alexander Keller

Am folgenden Wochenende machte ich 2 Schnupperflüge dort und war selbstverständlich begeistert. Als die neue Saison begann, startete ich mit 15 Jahren dann auch richtig mit der Ausbildung und habe diese ein gutes Jahr später mit 16 Jahren beendet. Ab dann darf man auch schon andere Passagiere mitnehmen.

Wo übst du dieses Hobby aus?

Mein Heimatflugplatz ist „oben am Schenkenturm“. Von der Würzburger Innenstadt ist dieser in 5-10 Minuten mit dem Auto zu erreichen. Dieser gehört seit kurzer Zeit dem dort ansässigen Verein FSCW, dem Flugsport-Club Würzburg. In diesem Verein habe ich auch die Ausbildung gemacht und alles Weitere, was mit dem Fliegen zu tun hat.

Der Einsitzer LS4. Foto: Alexander Keller

Der Einsitzer LS4. Foto: Alexander Keller

Hast du einen eigenen Flieger?

Nein. Das wäre aktuell erstens zu teuer und zweitens sehr viel Aufwand. Im FSCW haben wir die Möglichkeit, als Mitglied verschiedene Flugzeuge zu chartern. Somit kann man sich auch, ohne im Lotto gewonnen zu haben, den Traum vom Fliegen erfüllen. Außerdem erfolgt die Wartung der Flugzeuge im Winter, wenn beim Segelflug Pause ist, zusammen in einer Werkstatt am Flugplatz im Team, in das sich jeder einbringen kann und so sogar Kosten beim Fliegen spart.

Wie viele Flugstunden hast du schon absolviert?

Auf unseren Segelflugzeugen und dem Motorsegler, dessen Schein ich ein Jahr nach dem Segelflugschein gemacht habe, habe ich jetzt insgesamt knapp 90 Flugstunden. Die ersten 35 Stunden hiervon waren in der Ausbildung zum Segelflugzeugführer.

Wie sieht die Prüfung für den Flugschein aus?

Anders als beim Führerschein, ist alleine fliegen ein fester Bestandteil der Ausbildung zum Piloten. Je nach Können findet der erste Alleinflug zwischen 30 und 100 Flügen nach Beginn der Ausbildung statt. Danach fliegt man immer wieder alleine, aber auch mit Lehrer, um sich auf die Prüfung vorzubereiten. Auch beim Fliegen gibt es eine Theorieprüfung, die anspruchsvoller als die Führerscheinprüfung ist, aber dennoch von jedem zu meistern, sofern man sich darum bemüht. In der praktischen Prüfung kommt ein Vertreter des Luftamts und fliegt ein festes Prüfprogramm ab. Je nachdem, wie zufrieden er ist, werden in der Prüfung zwischen einem und drei Flügen gemacht.

Würzburg von oben. Foto: Alexander Keller

Würzburg von oben. Foto: Alexander Keller

Ist das Fliegen ein kostspieliges Hobby?

Jein. Gerade als Schüler oder Student wird man von unserem Verein subventioniert, sodass ich für meinen gesamten Flugschein (d.h. mehr als ein Jahr wirklich viel fliegen) nur etwa so viel wie für den Auto-Führerschein bezahlt habe. Abhängig davon, wie schnell man das Ganze durchzieht, können sich die Kosten auf 1.000-2.000 € belaufen. Da ist dann aber innerhalb der ca. 2 Jahre Ausbildung, in denen man im Normalfall viel fliegt, alles drin. Etwas teurer wird es dann erst, wenn man später noch den Motorflug-Schein machen möchte, aber das ist für keinen ein Muss.

Was ist deine Lieblingsstrecke?

Eine feste Lieblingsstrecke habe ich eigentlich nicht, da man mit dem Segelflugzeug sowieso sehr wetterabhängig ist und vorher nicht genau sagen kann, ich fliege von A nach B. Was ich aber jedes Mal sehr genieße, ist einfach gemütlich über Würzburg zu fliegen und die mir seit 20 Jahren bekannte Stadt jedes Mal aus einem ganz anderen Blickwinkel neu zu entdecken.

Was war bisher dein weitestes Ziel?

Wenn das Wetter mitspielt, ist man mit dem Segelflugzeug erstaunlich schnell mitten in der Rhön, zum Beispiel an der Wasserkuppe. Mit Hochleistungs-Segelflugzeugen können an sehr guten Tagen in Deutschland Strecken von über 1.000 km komplett ohne Motor geflogen werden. Aber 200 – 300 km sind auch für Otto-Normal-Piloten bei entsprechendem Wetter locker drin.

Was ist das Schwierigste am Fliegen? Auf was muss man alles achten?

Eine Herausforderung ist es, gerade im jungen Alter schon eine so große Verantwortung zu übernehmen. Mit 14 darf man noch lange nicht Auto fahren, steckt noch mitten in der Schule, darf aber schon alleine Flugzeuge fliegen. Eine Schwierigkeit dabei ist es, auf viele Sachen gleichzeitig zu achten. Wenn man im Auto überfordert ist, fährt man eben kurz rechts ran und beruhigt sich.

Die Festung aus der Luft. Foto: Alexander Keller.

Die Festung aus der Luft. Foto: Alexander Keller.

Im Flugzeug gilt es, vom Start bis zur Landung volle Aufmerksamkeit zu zeigen. Während man immer wieder Geschwindigkeit, Fluglage, Höhe, Steigen/Sinken, den Funk und das Wetter beachten muss, muss man ja auch noch das Flugzeug fliegen. Das kann am Anfang etwas viel auf einmal sein, aber man lernt in der Ausbildung, mit all diesen Dingen umzugehen und darf auch erst ohne Fluglehrer fliegen, wenn man alles sicher beherrscht.

Hast du manchmal Angst in der Luft?

Richtige Angst in der Luft hatte ich glaube ich noch nie. Dafür aber großen Respekt, was passieren kann, wenn man mal 30 Sekunden unachtsam ist. Man muss sich jederzeit bewusst sein, dass man verantwortlich ist und wenn man nicht aufpasst, viel passieren kann. Eine richtig gefährliche Situation, in der zum Beispiel ein Crash drohte, hatte ich noch nicht. Dafür kommen aber immer wieder – ich nenne es mal „Herausforderungen“- hinzu, wie zum Beispiel ein anderes Flugzeug, das gleichzeitig landen muss. Oder ein Flugzeug kommt einem selbst sehr nahe.

Hettstadt von oben. Foto: Alexander Keller

Hettstadt von oben. Foto: Alexander Keller

Doch hierfür wird man ausgebildet, auch in besonderen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und das Richtige zu tun. Es gibt für fast alle Situationen eine definierte Vorgehensweise, die man lernt. Diese muss dann angepasst werden auf die jeweilige Situation. Wichtig ist, dass man immer einen Plan B im Flugzeug hat. Denn sich im Notfall einen auszudenken, kann unter Stress dann schwierig werden.

Gibt es einen Traum – auf das Fliegen bezogen – den du dir erfüllen möchtest?

Ich weiß nicht, ob man das Traum nennen kann, aber was ich mir erhoffe, ist, dass ich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicher und ohne Unfälle fliege und dabei der Spaß an diesem Hobby genauso hoch bleibt, wie er jetzt ist und schon immer war. Denn das ist der Hauptgrund, warum wir fliegen: Aus Spaß an der Freude! Und mit dem notwendigen Maß an Verantwortung ist das Fliegen ein sehr sicheres und schönes Hobby.

Falls jetzt bei jemandem das Interesse am Fliegen geweckt ist, kann er sich gerne auf der Website des Flugsport-Club Würzburg umschauen und mich direkt oder den Verein unter info@fscw.de anschreiben!

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