Qualifizierungsprojekt: Nach Haftentlassung wieder Fuß fassen
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Würzburg erleben
2. November 2017

Haftraum bei der Polizei. Symbolfoto: Pascal Höfig
Nach der Haft ein geregeltes Leben führen zu können, darauf hoffen viele Verurteilte. „Wer eine gute Ausbildung mitbringt, hat nach der Entlassung deutliche bessere Chancen wieder Fuß zu fassen, eine Arbeit und eine Wohnung zu finden“, weiß der Landtagsabgeordnete Oliver Jörg. Daher hat sich der Vorsitzende des Anstaltsbeirats der JVA Würzburg für die weitere Umsetzung von Qualifizierungsmaßnahmen stark gemacht.
Ausbildungsberuf Textilreiniger/in
Mit Erfolg: In der Würzburger JVA kann Inhaftierten nun eine zusätzliche duale berufsqualifizierende Maßnahme angeboten werden. Unter maßgeblicher Mitwirkung der Don Bosco Berufsschule und in Abstimmung mit der Handwerkskammer Unterfranken werden Qualifizierungsbausteine im Ausbildungsberuf Textilreiniger/in entwickelt. „Die mit der Vermittlung des Berufsschulunterrichts anfallenden Kosten werden der Don-Bosco-Schule erstattet“, berichtet Jörg über die Förderung.
Die Lehrinhalte sind der bestehenden Ausbildungsordnung „Textilreinigung“ entnommen und in überschaubare Bausteine gegliedert, die von der Kammer bestätigt werden. Die verschiedenen Bildungssituationen der Gefangenen werden im Konzept mitbedacht. So kann beispielsweise eine vor der Verurteilung begonnene Ausbildung als Grundlage der weiteren Qualifizierung dienen. Die zuständigen Gremien der Kammer entscheiden im Einzelfall, ob eine Inhaftierte zur Zwischen- oder Abschlussprüfung zugelassen werden kann. Zugleich ist es möglich, während der Haft erworbene Qualifizierungen in eine Ausbildung nach der Entlassung einzubringen und am Ende auch abzuschließen.
Einfacherer Weg zum Abschluss einer Ausbildung
„In enger Abstimmung mit den Kammern und Innungen kann jungen Inhaftierten auf diese Weise der Weg zum Abschluss einer Berufsausbildung geebnet werden, ohne dass aus der Haft heraus der Besuch einer Berufsschule oder der Abschluss eines Ausbildungsvertrags mit einem externen Betrieb nötig wäre“, erläutert Dr. Harald Ebert, Leiter der Don Bosco Berufsschule, den großen Vorteil des Konzepts.
Andere Fachbereiche
In den Fachbereichen Farbe (Bauten- und Objektbeschichter) und Metall (Metallbau, Konstruktionstechnik) konnten in den vergangenen Jahren bereits viele Qualifizierungsbausteine erfolgreich absolviert und im Anschluss auch eine Abschlussprüfung abgelegt werden. Jörg und Ebert war die Ergänzung des Modells um ein weiteres Berufsfeld ein wichtiges Anliegen. „Mit der neuen Qualifizierungsmaßnahme wollen wir vermehrt auch weibliche Gefangene erreichen“, kündigt Ebert an.
Förderpreis
„Die Projektpartner haben hier eine wichtige Initiative zur sozialen Wiedereingliederung ins Leben gerufen, für dessen Förderung ich mich deshalb nachdrücklich eingesetzt habe“, so Jörg. Daher freue er sich auch, dass die Don Bosco Berufsschule für das Finale des DEICHMANN-Förderpreises für Integration nominiert wurde – unter anderem wegen des Projekts in der JVA.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bayerischen Landtags.

