Mit Gebühren den Beratungsklau stoppen?

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Würzburg erleben

11. Dezember 2017

Die Eichhornstraße in Würzburg . Foto: Pascal Höfig
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Die Eichhornstraße in Würzburg . Foto: Pascal Höfig

Im Geschäft beraten lassen, um später online zu kaufen: Diese Methode wenden immer mehr Verbraucher an – vermutlich auch in Würzburg. Während die Kunden mit dieser Taktik meist Geld sparen, legen die Einzelhändler drauf. Und einige wehren sich nun: Mit einer Beratungsgebühr möchte man dem „Beratungsklau“ an den Kragen. Wäre das vielleicht auch eine Idee, für den Würzburger Einzelhandel oder sollte man davon absehen?

Für Beratung bezahlen

Ein Fotohändler in Schwäbisch Hall verlangt laut Medienberichten der FAZ seit zwei Jahren eine Beratungsgebühr. Auch ein Brautmodengeschäft im Schwabenland, ein Reisebüro im Breisgau und ein Kinderkaufhaus in Münster haben die Gebühren mittlerweile eingeführt. Bei einigen sind z.B. 25 Euro fällig, wenn nach der professionellen Beratung nichts gekauft wird. Wird das Produkt später im Laden mitgenommen, bekommt der Kunde das Geld zurück, so die FAZ.

Kunden bereit zu zahlen?

Während laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa acht von zehn Menschen dazu bereit wären, für eine professionelle Beratung zu bezahlen, ist der Handelsverband Deutschland (HDE) skeptisch, berichtet die FAZ. Neben dem Aspekt, dass derartige Gebühren nur sehr vereinzelt verlangt werden, finde der HDE eine Beratungsgebühr bei den meisten Geschäften (Spielzeug- oder Bekleidungsgeschäfte) überflüssig. In Ausnahmefällen sei eine Gebühr hingegen sinnvoll. Beispielsweise für Einzelhändler, die in der Regel sehr lange Beratungsgespräche führen (Brautmoden etc.).

Stadtmarketing gegen Gebühren

Immer mehr Leute nutzen das Internet für ihre Einkäufe. Gerade zur Weihnachtszeit sind Online-Händler beliebt, man hat schnell alle Geschenke im Warenkorb, egal ob für den Partner oder die Großmutter – und das in nur einem Shop. Sogenannte Beratungsgebühren würden laut Wolfgang Weier, Geschäftsführer vom Stadtmarketing „Würzburg macht Spaß“ aber wohl noch mehr in den Onlinehandel treiben.

„Davon abgesehen, dass die Einführung von Beratungsgebühren für den tollkühnen Händler, der sie einführt, mit Sicherheit ein paar Schlagzeilen (und damit Gratis-PR) ergibt, halte ich davon gar nichts. Wer seine Kunden endgültig nach „Digitalien“ vertreiben will, soll das gerne machen – ich rate dringend davon ab! Ausnahme allenfalls: Beratungsintensive Branchen mit einer Beratungsdauer von mehreren Stunden, wie z.B. bei Brautmoden – aber auch hier keinesfalls beim Ersttermin“, so Wolfgang Weier.

Online informieren, offline shoppen

Für Weier hat der stationäre Handel ganz klare Alleinstellungsmerkmale, die es herauszuarbeiten gilt: „Freundlichkeit, Beratung, Haptik, Qualität, sofortige Verfügbarkeit und natürlich Service – auch nach dem Kauf. „Wer es schafft, hier zu punkten und so eine langfristige stabile Kundenbeziehung aufbaut, der kann sich über mangelnde Kundenfrequenz meist nicht beschweren“, so Wolfgang Weier.

Auch gibt es Untersuchungen unter anderem vom Handelsverband, dass zwar ein sogenannter Beratungsklau (offline informieren, online bestellen) tatsächlich existiert – „bei einer Studie mit 10.000 Befragten gaben dies 11,5 % zu – jedoch der umgekehrte Fall (online informieren, offline shoppen) mit 24,8 % mehr als doppelt so häufig vorkommt“, erläutert Weier.

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