„Jailhouse Rock“: Steffi List gibt Konzert im Knast

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12. Dezember 2017

Steffi List und Band. Foto: Michael Fleischmann
Steffi List_Band

Steffi List und Band. Foto: Michael Fleischmann

Am Nikolaus-Abend befand sich Steffi List auf den Spuren von Johnny Cash und Elvis: Mit ihrer Band rockte sie den bestuhlten Kapitelsaal des alten Klosters in der JVA Ebrach. Fast 40 männliche Insassen hatten sich für das Konzert vorab angemeldet. Wie sie das Konzert empfunden hat und auf welchen Song die Schweinfurterin bewusst verzichtet hat, verrät sie uns im Interview.

Steffi List im Interview

Schweinfurt City (SC): Wie kam es dazu, dass du im Jugendgefängnis in Ebrach ein kleines Rock-Konzert gegeben hast?
Steffi List: Ursula Schneeberger, Vorstand des Gefangenenhilfevereins „Schritt für Schritt“ hatte mich letztes Jahr bei einem meiner Konzerte besucht und mir von ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit den jugendlichen Strafgefangen erzählt. In diesem Gespräch fragte sie mich gleich, ob ich mir ein Konzert in der JVA vorstellen könne.

SC: Wie hast du den Abend empfunden und wie nahmen die Insassen die Nikolaus-Überraschung auf? 

Steffi List: Für mich war es ein besonderer und spannender Abend. Ich wusste schon aus den Unterhaltungen mit den Beamten, dass die schwer kriminellen Jugendlichen musikalisch eher auf HipHop und GangsterRap stehen. Deshalb war es für mich interessant zu beobachten, dass während des Konzertes die Stimmen und der Applaus immer lauter wurden. Zum Schluss gab es Standing Ovation. 
In einer kurzen Zwischenpause während des Konzerts habe ich mich mit einigen Gefangenen unterhalten und fand heraus, dass die Insassen das letzte Rockkonzert vor ca. 3 Jahren in den Klostermauern erleben durften.

m "Kapitelsaal" der JVA Ebrach finden Gottesdienste und Kulturveranstaltungen statt. Foto: Justizvollzugsanstalt Ebrach

Im „Kapitelsaal“ der JVA Ebrach finden Gottesdienste und Kulturveranstaltungen statt. Foto: Justizvollzugsanstalt Ebrach

SC: Fühlt man sich ein bisschen auf den Spuren von Johnny Cash, bei seinem legendären Auftritt in Folsom Prison? 

Steffi List: Klar wusste ich vorher aus Reportagen von Johnny Cash´s Auftritten im Gefängnis. 
Im Endeffekt ging es mir auch darum, den Jugendlichen, wenn auch nur für eine kurze Zeit, das Gefühl zu vermitteln, nicht nur strafgefangen, sondern einfach auch Mensch zu sein.

SC: Welche Songs bekamen die Insassen um die Ohren?
Steffi List: 70 % der Setlist waren Eigenkompositionen wie z.B. Inside out, New Tattoo, Break the silence, Doppelter Boden, Love, Vegas, Helden der 80er u.a.
 30 % spielten wir Coversongs aus dem Classic-Rock-Bereich, wie Wonderwall, Don´t stop believing und Like the way I do.

SC: Du hast bewusst auf deinen Song „Ich will raus“ verzichtet – wolltest du negative Stimmungen vermeiden?
Steffi List: So war wirklich mein erster Gedanke dazu. Wenn man einen Song zum ersten Mal hört, kann es schon vorkommen, dass man den Text nicht richtig versteht, vor allem bei Live-Konzerten. In dem Song geht es eigentlich darum, aus seinen Gedanken auszubrechen und natürlich nicht aus Gefängnismauern. Aber zur Sicherheit habe ich es weggelassen.
 Stattdessen spielten wir den Song „Bin dann mal weg“ aus meinem aktuellen Album „Kaleidoskop“ in dem es um einen Ausbruch aus dem Alltag gehen soll…… hätte man auch falsch verstehen können…….. *lacht*

SC: Wo kann man dich in nächster Zeit im Raum Schweinfurt sehen?
Steffi List: 
Am 25.12. spiele ich mit meiner Coverband PHOENIX im Tanzcenter Heidenfeld und im Februar 2018 ist ein zweiter Auftritt im Schrotturmkeller mit meinem Singer/Songwriter-Programm angedacht.

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