Stille Nacht – Aufreibende Nacht?

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Würzburg erleben

22. Dezember 2017

Jedes Jahr nehmen die Disponenten ca. 230.000 Anrufe entgegen, etwa 130.000 von ihnen werden dann disponiert. Foto: Pascal Höfig
Disponent_Leitstelle-Feuerwehr

Jedes Jahr nehmen die Disponenten ca. 230.000 Anrufe entgegen, etwa 130.000 von ihnen werden dann disponiert. Foto: Pascal Höfig

Flackernde Lichter verbreiten in der dunklen Adventszeit besinnliche Stimmung in der Wohnung. Wenn jedoch aus dem gemütlichen Kerzenschein ein richtiges Feuer wird, ist Schluss mit der behaglichen Atmosphäre. Die Weihnachtszeit ist oft die arbeitsreichste Zeit für die Feuerwehr oder den Rettungsdienst.

Die Mitarbeiter der integrierten Leitstelle Würzburg sorgen dafür, dass der Rettungswagen kommt, oder die Feuerwehr ausrückt. Seit 2011 ist Harald Rehmann (41) Leiter der Berufsfeuerwehr Würzburg und des Amtes für Zivil- und Brandschutz. Er erklärt uns was die genaue Aufgabe der integrierten Leitstelle ist und warum Weihnachten kein wirklich besinnliches Fest für die Mitarbeiter dort ist.

Harald Rehmann im Gespräch

Herr Rehmann, wie kann man sich die integrierte Leitstelle vorstellen? Was ist Ihre Aufgabe?

Harald Rehmann: „Die integrierte Leitstelle ist sozusagen das Herzstück der nicht polizeilichen Abwehr. Hier gehen alle Notrufe der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes ein. Die Disponenten nehmen diese Notrufe an, werten sie entsprechend und alarmieren die dafür erforderlichen Einheiten und Fahrzeuge. Jedes Jahr nehmen die Disponenten ca. 230.000 Anrufe entgegen, etwa 130.000 von ihnen werden dann disponiert.“

Weihnachten ist die Zeit der kurzen Tage und der gemütlichen Kerzenstimmung. Diese können in einem falschen Umgang oft gefährlich werden. Gibt es an Weihnachten oder den Weihnachtsfeiertagen verhältnismäßig mehr Einsätze?

Harald Rehmann: „Wir haben nicht mehr Einsätze an Weihnachten oder den Feiertagen – aber wir haben mehr Anrufe. Dies resultiert auch ein Stück daraus, dass es einige Menschen gibt, die an diesen Tagen sehr einsam sind.“

Gibt es durch die erhöhte Zahl an Anrufen an den Weihnachtstagen auch mehr Mitarbeiter in der Integrierten Leitstelle?

Harald Rehmann: „Am Weihnachtstag erhöhen wir die Zahl der Disponenten um jeweils einen, sodass wir tageszeitabhängig zwischen fünf und sechs Disponenten im Dienst haben.“

Diese Mitarbeiter wollen sicherlich auch Weihnachten feiern. Wie kann man sich dies in der Integrierten Leitstelle vorstellen? Gibt es dort auch ein Weihnachtsfest?

Harald Rehmann: „In der integrierten Leitstelle ist das Feiern von Weihnachten relativ schwierig, da die Notrufe rund um die Uhr eingehen. Eine richtige Feier findet hier also nicht statt, die Disponenten gehen ihrer geregelten Arbeit nach. Es ist so, dass Vertreter von der Stadt, also Bürgermeister oder dessen Vertreter und der Dienststellenleiter, Ich oder mein Vertreter im Laufe des heiligen Abends vorbei kommen um den Kollegen frohe Weihnachten zu wünschen. Ansonsten ist es fast wie der normale Dienst auch.“

Harald Rehmann, Direktor der Berufsfeuerwehr Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Harald Rehmann, Direktor der Berufsfeuerwehr Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Welche Tipps können Sie geben, um entspannt und sicher durch die Adventszeit zu kommen?

Harald Rehmann: „Das Wichtigste ist, Kerzen und offenes Feuer nie unbeaufsichtigt zu lassen – egal ob am Christbaum oder am Adventskranz. Darüber hinaus sollte man darauf achten, Kerzen auf einer nicht brennbaren Unterlage aufzustellen. Feuerzeuge, Streichhölzer und Ähnliches gehören nie unbeaufsichtigt in Kinderhände. Auf der anderen Seite plädiere ich dafür, Kinder frühzeitig mit dem Phänomen Feuer vertraut zu machen, denn für Kinder ist das einfach etwas ganz besonderes.“

Mal angenommen der Ernstfall ist wirklich eingetreten und der Baum oder der Kranz hat Feuer gefangen. Wie verhält man sich richtig?

Harald Rehmann: Falls doch mal etwas passieren sollte und es wirklich zu einem Brand kommt, ist es immer gut, man hat sich entsprechend vorbereitet: Entweder mit dem Bereitstellen eines mit Wasser gefüllten Eimers, oder gar eines Feuerlöschers. Wenn es zum Brand kommt, ist es wichtig, nur eigene Löschversuche zu unternehmen, wenn man sich selbst nicht gefährdet. Ansonsten sollte man möglichst schnell den Raum verlassen, die Tür schließen und Mitbewohner warnen. Wenn man über die 112 die Feuerwehr alarmiert hat, sollte man vor dem Gebäude auf diese warten.

Welche Informationen sind für die Leitstelle besonders wichtig, wenn man über die 112 einen Notfall meldet?

Harald Rehmann: Vier W-Fragen werden grundsätzlich jedem Anrufer gestellt: Wer meldet? Wo ist das Ereignis? Was ist ge- schehen? Und wie viele Betroffene gibt es? Wichtig: Immer auf eventuelle Rückfragen vom Disponenten warten.

Integrierte Leitstelle Würzburg

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Würzburg nimmt alle Anrufe über die einheitliche Notrufnummer 112 entgegen und setzt die jeweils passende Hilfsleistung in Gang. Aufgabe der Integrierte Leitstelle ist es, die Einsätze der Feuerwehren, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk, Katastrophenschutz, Wasserrettung und Notfallseelsorge in Stadt- und Landkreis Würzburg sowie den Landkreisen Kitzingen und Main-Spessart zu koordinieren. Je nach Tageszeit arbeiten zwischen vier und sieben Disponenten in der Leitstelle. Bei Katastrophen, etwa Unwettern, können es aber auch bis zu 16 sein. Im Durchschnitt gehen täglich rund 600 Anrufe bei der Integrierten Leitstelle Würzburg ein.

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