Christian Reichert: Aus Würzburg zu den Olympischen Spielen
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Würzburg erleben
17. Januar 2018

Olympiateilnehmer Christian Reichert aus Würzburg. Fotoquelle: Christian Reichert
Christian Reichert ist mehrfacher Welt- und Europacup-Gesamtsieger, deutscher Meister, zweifacher Weltmeister und hat letztes Jahr an Olympia teilgenommen. Gebürtig kommt er aus Würzburg. Er hat das Wasser bereits in sehr jungen Jahren kennen und lieben gelernt. Wie er seine tägliche Motivation findet, mit Erfolgsdruck umgeht und was er aus seiner Karriere mit in die Zukunft nimmt verrät, er im Interview.
Du hast 22 Jahre in Würzburg gelebt. Worauf freust du dich jedes Mal, wenn du wieder in die Heimat kommst?
Meine Eltern leben in Würzburg. Auf sie freue ich mich jedes mal am meisten, wenn ich wieder nach Hause komme. Sie zu sehen und mit ihnen Zeit verbringen ist einfach klasse.
Was gefällt dir in Würzburg am besten?
Die ganze Stadt, mit den Menschen, den Möglichkeiten, der Architektur und dem Flair!
Was war ausschlaggebend für den Beginn deiner Karriere – Zufall oder geplant? Und wieso bist du beim Schwimmen geblieben?
In jungen Jahren war es mein Traum, technisch einwandfrei Schwimmen zu erlernen. Mit 7 Jahren begann ich das Schwimmen im SVW05. Nach einiger Zeit habe ich an den ersten Wettkämpfen teilgenommen und gleich Pokale gewonnen. Das hat mich motiviert, weiter zu machen, besser zu werden und es bis nach Oben an die Weltspitze zu schaffen.
Du trainierst 6 Tage die Woche, zweimal am Tag, wie findest du die tägliche Motivation? Wirst du deinen Ansprüchen immer gerecht?
Zuerst war es meine größte Motivation, mich in die Weltspitze zu schwimmen. Als ich dort angelangt bin, wusste ich, was ich leisten muss, um Top-Platzierungen zu erlangen. Ich habe gesehen, dass sich meine harte Arbeit und das viele Training auszahlt, auch wenn das Training nicht immer leicht ist. Das Wissen, dass mich jede Trainingseinheit ein Stück weiter bringt, ist meine tägliche Motivation, denn von nichts kommt nichts.
Du hast letztes Jahr erfolgreich an Olympia teilgenommen und dort den 9. Platz im 10km Freiwasserschwimmen-Rennen gemacht. Wie groß ist der Erfolgsdruck vor solch einem Wettkampf, kann Erfolg süchtig machen?
Mein größter Traum war es, bei den Olympischen Spielen teilzunehmen und eine Top Ten-Platzierung zu schaffen. Olympia ist nur alle vier Jahre und hat seine eigenen Gesetze. Der Druck wird so enorm hoch, weil – egal was man für eine Form besitzt – man kann sich nie sicher sein, es auch zu schaffen. Vor allem weil es in Deutschland beim Freiwasserschwimmen nur eine begrenzte Anzahl von zwei Teilnehmerplätzen gibt.
Was war das Besondere an Olympia? Dein coolstes Erlebnis dort?
Es war ganz klar unsere Wettkampfstrecke: Die Copacabana. An der Copacabana zu schwimmen, bei jedem Atemzug den Strand mit den vielen Zuschauern zu sehen, war einfach unbeschreiblich.
Wie gehst du mit der allgemeinen Anspannung vor einem Wettkampf um?
Ich habe inzwischen so viele Erfahrungen gesammelt, dass ich kaum noch angespannt vor Wettkämpfen bin. Inzwischen kann ich sehr gut einschätzen, was auf mich zu kommt.

Olympiateilnehmer Christian Reichert aus Würzburg. Fotoquelle: Christian Reichert
Fast alle deiner Wettkämpfe finden im offenen Meer statt. Wie gefährlich ist dein Sport? Gab es schon Hai-Angriffe und was ist dir schon alles unter Wasser begegnet?
Gefährlich ist meine Sportart weniger, aber es gibt Momente in denen man sich Gedanken macht. Wir hatten gigantische Barrakuda Schwärme in Cancun, Riesenschildkröten in Brasilien und oft auch Feuerquallen. Am gefährlichsten sind meistens nicht die Tiere sondern eher die äußeren Bedingungen. Strömungen, sehr hohe Wellen, extrem kaltes Wasser oder auch sehr schmutziges Wasser.
Was war dein härtestes Rennen und wieso?
Mein härtestes Rennen war die Olympiaqualifikation 2016. Nachdem ich Olympia 2012 leider knapp verpasst hatte, war der Druck umso höher. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt fit war, war es nicht leicht für mich, in diesem Rennen ruhig zu bleiben. Die Angst es nicht zu schaffen war ständig da. Aber zum Glück konnte ich mich auf meinen starken Kopf verlassen und alles hat geklappt.
Was nimmst du aus deiner sportlichen Karriere mit in deine Zukunft?
In die Zukunft nehme ich mit, dass man mit harter Arbeit und Disziplin alles erreichen kann, was man sich vor nimmt!
Wo siehst du dich in ein paar Jahren – welche Pläne hast du für die Zukunft?
Bis zu den Olympischen Spielen 2020 werde ich auf jeden Fall noch einmal sehr hart trainieren. Danach werde ich von Jahr zu Jahr planen. Ich bin aber bei der Polizei (Anm. d. Red.: Christian ist bei der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung im Ausbildungsbereich von Wiesbaden beschäftigt) sehr gut aufgehoben und habe viele Möglichkeiten für die nächsten Jahre. Ich möchte auf jeden Fall den Kontakt zum Sport halten und deswegen auch in der Koordination der Sportförderguppe mitwirken.

