Vom Licht der Erkenntnis: Mozartfest zieht Bilanz

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Würzburg erleben

26. Juni 2018

Nach viereinhalb intensiven Festivalwochen mit 61 Veranstaltungen rund um das Motto „Aufklärung. Klärung. Verklärung“ beendete das Mozartfest Würzburg am vergangenen Sonntag seine Festivalsaison 2018 mit der traditionellen Jupiternacht, der Last Night für Mozart, im Vogel Convention Center.

Besucheranzahl gestiegen

Rund 24.800 Besucher insgesamt – und damit 5 Prozent mehr als im Vorjahr – haben Karten für das Mozartfest erworben. Am 5. Juli spielte das WDR Rundfunkorchester ein Geburtstagskonzert für Leonard Bernstein auf der Bühne der Landesgartenschau. Zu Beginn des Festivals zog der Mozarttag bei bestem Sommerwetter zusätzlich zahlreiche Fans und Flaneure an.

Neue Bühnen

Sechs Bühnen in der Innenstadt und auf dem Landesgartenschaugelände, darunter erstmals die Terrasse im Kaufhaus Wöhrl mit bester Aussicht auf die Festung, waren den gesamten Tag von zahlreichen Musikbegeisterten aufgesucht worden. Neue Spielstätten wie die Leerguthalle in der Würzburger Hofbräu, das Kino Central im Bürgerbräu, die Landesgartenschau oder die Sepultur des Kiliansdoms erweiterten die Platzkapazitäten und geben Spielraum für weitere Entwicklung. Die prozentuale Auslastung lag bei 91 Prozent.

Reger Austausch

Aufklärung als Aufgabe: Das Mozartfest und die Medien Das MozartLabor hatte sich zum Thema Aufklärung in diesem Jahr insbesondere Medienvertreter unterschiedlichster Richtungen eingeladen: Auf dem Podium und in den Sektionen diskutierten Gäste und Stipendiaten über Wesen, Einfluss und Bedeutung der Aufklärung als zeit- und epochenübergreifendes Phänomen. Journalisten, Multimedia-Experten und PR-Vertreter, aber auch Künstler, Musiker, Musik- und Sprachwissenschaftler nutzten gemeinsam mit dem Publikum die Gelegenheit zum freien und interdisziplinären Austausch. Ergebnisse der Festivalsektionen sind auf der Website www.mozarfest.de unter „MozartLabor 2018“ dokumentiert.

Mediale Präsenz

Die Konzerte des Mozartfestes wurden in diesem Jahr verstärkt medial begleitet: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung berichteten im Feuilleton über das Festival, insgesamt stiegen die Akkreditierungen zur Berichterstattung um über 10 Prozent. Das BR Fernsehen übertrug das Eröffnungskonzert mit Hartmut Haenchen und der Camerata Salzburg im Video-Live-Streaming, Deutschlandfunk Kultur sendete das Kaisersaalkonzert mit Concerto Copenhagen und der Pianistin Ragna Schirmer als Liveübertragung. ZDF/Arte drehte erstmals im Rahmen des Mozartfestes einen Konzertfilm – über den 22jährigen Pianisten Jan Lisiecki. Für das Fernsehformat Kultur 21 der Deutschen Welle entsteht ein Dokumentarfilm über das Mozartfest. Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und der BR schnitten insgesamt 21 Konzerte mit, die auch nach dem Festival einem breiten Radiopublikum zugänglich sein werden.

Strahlende Höhepunkte

Leuchtende Glanzpunkte setzte der Dirigent Hartmut Haenchen mit der Camerata Salzburg und dem Schumann Quartett als Artiste étoile im Eröffnungskonzert. Marc Minkowski gab dem Festival mit einem sinfonischen Abend und der Oper „Così fan tutte“ zweimal in Folge die Ehre. Pianist Pierre-Laurent Aimard beeindruckte das Publikum im Solorezital u.a. mit Beethovens Hammerklaviersonate. Sopranistin Marlis Petersen gewann mit einem eigens für das Festival konzipierten Liederabend nicht nur das Publikum für sich, sondern auch die Geschäftsführer und Intendanten deutscher Festivals, die sich beim Mozartfest zum Fachaustausch trafen.

„Allzeit“-Gespräch

Der international renommierte Kulturwissenschaftler und Ägyptologe Prof. Dr. Jan Assmann gab im „Allzeit“-Gespräch Einblicke in sein umfangreiches Wissen und seine Deutung von Mozarts „Zauberflöte“ als zentrales Werk der Aufklärung. Durch sein Engagement als Friedensstifter – er wurde kurz vor dem Festival mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet – verkörpert er zugleich das Ideal des aufgeklärten Menschen.

Die Aufklärung

als Epochenphänomen des 18. Jahrhunderts fand in der Wahl der geladenen Künstler ihren Widerhall: Unter den Ensembles waren in diesem Jahr zahlreiche Originalklangensembles, die sich den Werken der Klassik mit Forschergeist und Kenntnisreichtum nähern. Concerto Copenhagen, L’Orfeo Barockorchester, La Cetra Barockorchester, Akademie für Alte Musik, Ensemble Jupiter oder Les Musiciens du Louvre: Sie alle bewiesen, dass durch aufgeklärt-informierte Spielweise die Werke Mozarts und seiner Zeitgenossen nichts an Aktualität verloren haben.

Abwechslungsreiches Programm

Die Klangvielfalt schloss die Wahl des Instrumentariums ein und schärfte den Hörsinn der Besucher: Kristian Bezuidenhout wählte für die Liedmatinee mit Julian Prégardien einen Hammerflügel des frühen 19. Jahrhunderts, Ragna Schirmer solierte auf einem Instrument von 1795, während Pierre-Laurent Aimard in seinem Rezital Mozart und Messiaen auf einem modernen Konzertflügel der Firma Steinway&Sons zum Klingen brachte. Marlis Petersen wählte für ihren Liederabend wie viele andere Festivalkünstler ein Konzertinstrument der Klaviermanufaktur Steingraeber&Söhne.

Moderner Mozart

Ausgehend von Mozarts Zeit spannt das Mozartfest jedes Jahr aufs Neue den Bogen ins Heute: Ein eigener Schwerpunkt war das Werk und Leben von Arvo Pärt, dem das diesjährige Komponistenporträt gewidmet war. Barockspezialistin Tamar Halperin konfrontierte in der Lounge Amadé Bach und Mozart im aktuellen zeitgenössischen Kontext mit Live-Elektronik. Ein zentrales Projekt der Saison war die Neuproduktion „Zauberflöte reloaded“. Regisseur und Produzent Christoph Hagel schuf im Auftrag des Mozartfestes eine eigene neue Opernfassung. Mozarts „Zauberflöte“ in Konfrontation mit Alltagskultur erhielt quer durch alle Altersschichten und Zielgruppen begeisterte Resonanz und bewies sich als Türöffner für die Klassik: Das Mozartfest versteht sich als Angebot für Menschen aller Generationen und geht mitten hinein in die Gesellschaft.

Klassik und Zukunft vereint

Mit der „Verklärten Nacht“ im Kino Central eroberte das Mozartfest erstmals das urbane und junge Bürgerbräu-Gelände und bot dem begeisterten Publikum ein intensives musikalisches Programm, das Musik und Video verband. Das Quartett der Kritiker schärfte in einer öffentlichen Diskussionsrunde über Referenzaufnahmen von Mozarts “2. Preußischem Streichquartett“ die Reflexion über musikalische Interpretation und die Urteilsbildung. Zwei spätabendliche Echoraum-Konzerte mit jungen Künstlern vertieften im Nachgang zu „Bruckner im Dom“ und dem Konzert des Irish Chamber Orchestra mit Jörg Widmann das Gehörte. Das neue Format, das sich insbesondere der Moderne verpflichtet, fand großen Zuspruch und wird in der Saison 2019 weiterentwickelt und fortgeführt.

Kooperationen

Das Mozartfest kooperierte mit Würzburger Partnerinstitutionen: dem Institut für Musikforschung der Universität, der Landesgartenschau, dem Mainfranken Theater, der Volkshochschule und der Klangkartei. Im kommenden Jahr findet das Mozartfest Würzburg vom 24. Mai bis 23. Juni 2019 statt. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemeldung des Mozartfestbüros Würzburg.

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