Lkw blockiert Rettungsgasse: Einsatzkräfte verzweifeln bei der Anfahrt
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Würzburg erleben
5. Juni 2019

Das BRK versorgte die Einsatzkräfte mit Kaltgetränken und Müsliriegeln. Foto: Stefan Krüger, BRK Würzburg
Bei dem schweren Verkehrsunfall gestern auf der A3 zeigte sich den Einsatzkräften zunächst ein leider fast alltägliches Bild: Keine Rettungsgasse gebildet. Einsatzfahrzeuge mussten teilweise über 300 Meter vor der Unfallstelle stehen bleiben. Einsatzkräfte der Feuerwehr und Rettungsdienste mussten sich zu Fuß zur Unfallstelle vorarbeiten und Fahrzeugführer durch direkte Ansprache zur Bildung einer Rettungsgasse auffordern.
Rettungsgasse vollständig blockiert
Das dreiste Verhalten eines Lkw-Fahrers sorgte bei den Beamten der Polizei Unterfranken dabei besonders für Unverständnis. Der Mann aus Belgien war mit seinem 38-Tonner in die Rettungsgasse gefahren, blieb natürlich stecken und blockierte so dann auch vollständig die Anfahrt der Einsatzkräfte. Der Grund für sein Verhalten machte die Beamten dann kurzzeitig sprachlos: Er wollte trotz Unfall zur naheliegenden Rastanlage fahren, um auf die Toilette zu gehen…
Die – eigentlich für die Unfallaunfahme zuständigen – Einsatzkräfte der Polizei, mussten in der Folge den Lkw aus der Rettungsgasse in den Baustellenbereich lotsen. Der Fahrer zeigte sich zu allem Übel auch noch uneinsichtig, stellte seinen Lkw im Baustellenbereich ab und begab sich zu Fuß zur Rastanlage. Eine Anzeige folgte. Der Mann musste noch vor Ort eine Sicherheitsleistung hinterlegen.

Zahlreiche Einsatzkräfte waren im Einsatz. Foto: Pascal Höfig
Auch für Retter psychisch belastend
Auch die Helfer von BRK, Maltesern und Johannitern verzweifelten, weil sie nicht zur Unfallstelle kamen.
„Schwerer Unfall mit sieben Verletzten auf der A3!“ Mit dieser Meldung wurde ein großes Aufgebot des Rettungsdienstes von BRK, Maltesern und Johannitern am Dienstagmittag alarmiert. Doch die Rettungswagen hatten größte Schwierigkeiten, durch den Stau zur Unfallstelle zu gelangen.
„Zwar haben sich viele Autofahrer bemüht, eine Gasse zu bilden. Doch einige Fahrzeuglenker sind nicht auf Seite gefahren und haben die Gasse blockiert“ berichtet Jens-Uwe Greiner, Leiter des Sachgebiets Einsatzdienste beim BRK. Insbesondere seien auf der mittleren Fahrspur viele Gespanne unterwegs gewesen, die sich beim Versuch zu rangieren dann verkeilt hätten.
„Zum Teil mussten die Sanitäter die Einsatzfahrzeuge stehen lassen und bis zu 600 Meter zu Fuß zur Unfallstelle laufen, mit umfangreicher Ausrüstung und bei über 30 Grad Hitze“ so Greiner weiter.
„Auch psychisch ist das für die Kameraden eine schwere Belastung, zu wissen, dass Verletzte dringend auf Hilfe warten, aber man kommt nicht hin.“ Das BRK erinnert deshalb nochmals nachdrücklich an die Pflicht, bereits bei beginnendem Stau eine Gasse zu bilden. Darüber hinaus berichteten die Sanitäter von etlichen filmenden Schaulustigen auf der Gegenfahrbahn.

Das BRK versorgte die Einsatzkräfte mit Kaltgetränken und Müsliriegeln. Foto: Stefan Krüger, BRK Würzburg
Im weiteren Verlauf des Einsatzes wurde noch die Schnelleinsatzgruppe Betreuung angefordert, um die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Bergungsdiensten, die stundenlang bei sengender Hitze arbeiten mussten, mit Kaltgetränken und Müsliriegeln zu versorgen. Ein ehrenamtlich besetzter Rettungswagen wurde zur Absicherung abgestellt, um so den Rettungsdienst zu entlasten.

