Heute Kunst, früher Schwimmen: Das Ernst-Sachs-Bad
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24. Oktober 2019

Die Kunsthalle Schweinfurt - ehemals das Ernst-Sachs-Bad. Foto: Dirk Flieger
Wo früher feucht-fröhlich geplanscht wurde, kann man heute moderne Kunst bestaunen: die Kunsthalle Schweinfurt stand noch bis vor zehn Jahren unter dem Motto „Schwimmen und Entspannen“ – denn einst befand sich in dem Gebäude das Ernst-Sachs-Schwimmbad. Vielen jüngeren Schweinfurtern ist das Schwimmbad nicht mehr bekannt, während die Älteren das Bad immernoch schmerzlichst vermissen. Doch was steckt dahinter?
Zwischen Historismus und Moderne
Zum seinem 60. Geburtstag schenkte der Industrielle Ernst Sachs den Schweinfurtern etwas für das Gemeinwohl: ein Volks-und Hallenschwimmbad. Unter dem Architekten Roderich Fick wurde das Gebäude samt repräsentativen Vorplatz errichtet und 1933 fertig gestellt. Alle Details trugen seine Handschrift – ein Übergangsstil zwischen Historismus und Moderne. Der Solitärbau unterstrich hierbei die gewollte Ausrichtung zur Industrie, denn damals wurden auch neue Baugebiete im Westen der Stadt errichtet. Das Gebäude ist im Zusammenspiel mit dem Vorplatz zu betrachten: Der Rossbändigerbrunnen im Stil des Neoklassizismus rundeten den Vorplatz ab.
Nutzung als Bad
Doch leider überstand auch das Bad den Krieg nicht: mit den Luftangriffen vom Februar und August 1944 trug das Gebäude erhebliche Schäden davon. Diese wurden nach dem Krieg wieder beseitigt: bereits 1949 wurde das Bad feierlich wiedereröffnet. Teilweise wurde es aber auch für kulturelle Einrichtungen genutzt: bis 1956 befand sich im Südflügel das Amerika-Haus Schweinfurt mit Film- und Lesesaal.
Ein Bad für Groß und Klein – wo Generationen das Schwimmen lernten, bei Wassergymnastik strampelten oder in der Sauna schwitzten und entspannten. Das Bad kam gut an – und das bis zu seiner Schließung.
Heute Kunsthalle
„Die Sache sähe halt eigentlich nicht wie ein Hallenbad aus, sondern wie eine Festhalle, in der auch Kunstausstellungen stattfänden“, sagte Ernst Sachs einst bei der Eröffnung. Daran knüpfte die Stadt an: aufgrund von umfassend notwendigen Sanierungsarbeiten entschied man sich gegen den Erhalt des Hallenbads und für eine kulturelle Nutzung. 2004 wurde im Stadtrat beschlossen, das Bad zu schließen und die Räumlichkeiten für einen anderen Zweck umzubauen: die Kunsthalle, die nun ihr 10-Jähriges feiert. Ab 2007 wurde umgebaut, 2009 kam dann schließlich die Eröffnung. Auf fast 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche kam man nun Deutsche Kunst nach 1945 bestaunen.
Selbe Hülle, anderer Inhalt
Das äußere Erscheinungsbild des Bades wurde hierbei gewahrt, Veränderungen wurden hauptsächlich im Inneren vorgenommen. Dort, wo man früher Bahnen schwimmen konnte, finden nun bei einer Raumhöhe vom elf Metern Wechselausstellungen statt und der Innenhof ist in den warmen Monaten frei zugänglich.

Die Kunsthalle in Schweinfurt. Foto: Dirk Flieger
Das denken die Schweinfurter
Von den Schweinfurtern bekommt die Kunsthalle viel Zuspruch. „Ich finde die Kunsthalle sehr gelungen, eine Bereicherung für die Stadt, den Bürgern Schweinfurts und den Besuchern“, kommentiert Jutta unter einem unserer Facebook-Postings bezüglich der Kunsthalle. „Wir freuen uns, dass es die Kunsthalle gibt“, heißt es an anderer Stelle. Doch es gibt auch andere Meinungen: „Schwimmen war besser“.
Doch generell wird sich gerne an das Bad erinnert. „Im Ernst-Sachs-Bad hab ich schwimmen gelernt“, sagt Genie und auch Gudrun teilt ihre Erlebnisse mit uns: „Ich habe gute Erinnerungen: Habe mit der Schule hier Schwimmunterricht gehabt. Ach das war immer unsere Freizeit-Aktivität!“. Die Kunsthalle wird zwar gut angenommen, aber beim Ernst-Sachs-Bad werden die Schweinfurter schon mal nostalgisch!

