Vom Hobby zum Beruf: Sängerin Melissa aus Iphofen

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Würzburg erleben

19. Dezember 2019

Melissa hat sich ihren Traum erfüllt und ist Berufsmusikerin. Foto: Michelle Heipl
Melissa Muther_by Michelle Heipl

Melissa hat sich ihren Traum erfüllt und ist Berufsmusikerin. Foto: Michelle Heipl

Melissa kommt ursprünglich aus Iphofen und hat sich ihren Traum, ihr Hobby zum Beruf zu machen, erfüllt: Als Berufsmusikerin widmet sie sich freiberuflich dem Gesang und schreibt unter anderem selbst Songs. Wir sind auf ihr Video zu „Virtues & Vices“ gestoßen, in dem unsere schöne Festung zu sehen ist, und haben die Sängerin über ihren musikalischen Weg und ihren Bezug zu Würzburg befragt.

Würzburg erleben (WE): Erzähl doch ein bisschen was über dich, Melissa.

Melissa: Ich bin 29 und lebe in Köln. Gebürtig komme ich aus der Kitzinger Gegend und bin in Iphofen groß geworden. Als meine musikalische Heimatstadt bezeichne ich das schöne Würzburg, dort begann meine musikalische Laufbahn so richtig.

Meine Hobbys sind Reisen, Freunde treffen und Sport, zum Beispiel habe ich dieses Jahr meinen ersten Triathlon „olympische Distanz“ bestritten – zwar mit keiner guten Zeit aber stolz bin ich trotzdem. Außerdem gehe ich gerne lecker Essen und Kaffeetrinken und mache gerne Musik und gehe auf Konzerte – obwohl das mein Beruf ist, sehe ich es noch immer zu einem gewissen Anteil als mein Hobby.

Von Franken nach Köln

WE: Du lebst nun in Köln – wie kam es dazu?

Melissa: Nachdem ich mein Abi in Wiesentheid am LSH gemacht habe und parallel Jungstudentin an der Hochschule für Musik Nürnberg war, bin ich mit 2010 in den schönen Ruhrpott gezogen. Genau genommen nach Essen um dort an der Folkwang Universität der Künste Jazzgesang zu studieren. Nachdem ich 2015 meinen Bachelor gemacht habe war ich für ein halbes Jahr mit den „Musikern ohne Grenzen“ in Jamaica, Kingston und habe 2016, als ich dann wieder zurück war meinen Master of Popular Music begonnen. Diesen auch an der Folkwang, allerdings dann von Köln aus, da ich kurz vor Kingston eine coole Wohnung in Köln gefunden habe.

Dort lebe ich mittlerweile auch schon wieder ein paar Jährchen und arbeite als Berufsmusikerin. Das heißt ich bin Freiberuflerin und arbeite in einer Art Patchwork- Existenz.

WE: Wie kann man sich das vorstellen?

Melissa: Ich unterrichte an einer Musikschule als Gesangslehrerin und Vocalpädagogin, gebe Workshops, komponiere und schreibe meine eigene Musik oder auch auf Anfrage für andere Menschen, stehe Live auf der Bühne, oder ich bin im Tonstudio – für geschlossene Veranstaltungen kann mich auch für Covermusik buchen, öffentlich spiele ich momentan fast ausschließlich meine Musik.

WE: Seit wann machst du Musik bzw. wie kommst du dazu, Musik zu machen?

Melissa: Schon als Kind war ich total begeistert von Musik. Meine Karriere startete ganz klassisch an der Blockflöte, danach wechselte ich für fünf Jahre zum Akkordeon und dann kam die E-Gitarre und durch die Gitarre letztendlich auch so richtig der Gesang. Grundsätzlich war ich aber auch immer im Schulchor und in Band-AG’s etc. Meine großesnHobbys waren immer Handball und Musik, doch nach dem ersten Kreuzbandriss mit 16 entschied ich mich dann doch für die Musik.

Meinen ersten richtigen Gesangunterricht nahm ich dann auch mit 16 Jahren in der „Backline Musicschool“ in Würzburg. Dort bin ich immer mit dem Zug aus Kitzingen hingefahren, denn in Kitzingen gab es zu dieser Zeit keinen Lehrer für Pop oder Jazz, sondern nur Klassik.

Melissa bei einem Auftritt. Foto: Sebastian Mützel

Melissa bei einem Auftritt. Foto: Sebastian Mützel

In Würzburg traf ich in der „Backline“ auf ganz ganz tolle Lehrer, die begeistert von mir waren und mir den Floh ins Ohr gesetzt haben – „Melissa du kannst auch Sängerin von Beruf sein“. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Ich informierte mich, was es denn alles so für Studiengänge in Hinblick auf Musik gibt und bewarb mich in Nürnberg als Jungstudentin. Das hat dann auch geklappt. Ich muss aber auch dazu sagen, dass meine Eltern supercool waren und mich immer bei meinem Plan „Berufsmusikerin“ zu werden 100% unterstützt haben.

Musiker ohne Grenzen

WE: Welche Musik bevorzugst du?

Melissa: Pop, Soul oder auch Soul-inspirierte Popmusik. Ich liebe aber auch minimalistische akustische Musik.

WE: Wie würdest du deinen Stil beschreiben, hast du ein Vorbild? Was inspiriert dich?

Melissa: Meinen Stil beschreibe ich als MEL SOUL. Ich habe viele Vorbilder aber diese zwei Künstlerinnen verehre ich besonders: Zum einen ist das „Beate Lech“, aus Norwegen mit ihrer Band „Beady Belle“ – ich liebe ihre Stimme einfach so sehr – und zum anderen ist das die britische Künstlerin „Liane La Havas“.

Meine Inspiration ziehe ich eigentlich aus ALLEM: dem Alltag, Begegnungen mit Menschen, anderen Künstlern, der Liebe – Stadt, Land, Fluss – es kann wirklich Alles sein was mich inspiriert oder ein Bild in meinem Kopf festsetzt von dem ich erzählen möchte.

WE: Was gefällt dir am meisten an der Musik bzw. was fasziniert dich daran?

Melissa: Dass es so etwas Einzigartiges ist. Jeder darf anders sein, denn im Grunde gibt es keine Regeln. Man ist komplett frei in dem, was man macht und was am Ende dabei entsteht.

WE: Du hast Dich der Organisation „Musiker ohne Grenzen e.V.“ angeschlossen. Was steckt dahinter und wie waren Deine Erfahrungen?

Melissa: Die „Musiker ohne Grenzen e.V.“ oder kurzgesagt „MOG“ ist eine nicht staatliche Organisation die MusiklehrerInnen und Sachspenden in soziale Brennpunkte, weltweit entsendet. Den Menschen vor Ort soll eine kostenfreie musikalische Bildung ermöglicht werden.

Ich habe mich 2015 für fast sechs Monate für einen Einsatz in Kingston, der Hauptstadt Jamaicas, entschieden. Das war direkt nach meinem Bachelor. Es war für mich eine ganz besondere und wichtige Zeit vor Ort. Die Dinge die ich dort erlebt und gesehen habe, werden mich ein Leben lang begleiten. Im Projekt haben wir in einer jamaikanischen Großfamilien-WG gelebt, mitten in Trenchtown. Vormittags haben wir Schulklassen unterrichtet und am Nachmittag Einzelunterricht gegeben. Gitarre, Gesang, Klavier, Percussion- und Blockflöten-AG’s.

Wir haben dort ganz viele wunderbare Dinge erlebt und viele begnadete junge und alte MusikerInnen getroffen. Genauso gut ist das Leben auf der Insel für manche Menschen richtig hart und es passieren schreckliche Dinge. Es ist eben immer noch ein Dritte Welt Land. Ich habe für mich erfahren, dass es einfach ein unglaubliches Privileg ist, in Deutschland und Europa aufzuwachsen, und dass es uns ganz schön gut geht.

Über Würzburg

WE: Welchen Bezug hast du zu Würzburg?

Melissa: Würzburg ist für ich meine musikalische Heimatstadt. Seitdem ich 15/ 16 war, habe ich super viel Zeit und Freizeit in der Stadt verbracht, egal ob Shoppen, Bandproben, Auftritte oder Party machen und alles begann in der Backline Musikschool.
Dort geriet ich an den begnadeten Pianisten, Tom Jahn, aka Tom Tornado der damals Musikstudent an der Musikhochschule Würzburg war und mich als Bandmitglied in seine Band „Tom Tornado Dreamband“ mit aufgenommen hat – eine neun-köpfige Soulband aus Musikhochschul-Studenten und Profis, die meisten von ihnen zehn Jahre älter als ich.

Wir haben damals einmal im Monat im „Pleicher Hof“ gespielt und den Laden gerockt. Das war so eine herrliche Zeit. Dort habe ich zum Beispiel auch Mistaa getroffen, ein Deutschrapper aus Würzburg. Ihr kennt sicherlich das Video „Meine Stadt“ von ihm – mich könnt ihr im Refrain hören und auch auf seinem Album „das Philippinen Tape“.

Natürlich habe ich neben der Musik in Würzburg auch viel Party gemacht und die Nächte im AKW durchgetanzt. Ach Würzburg!

WE: Was macht die Stadt deiner Meinung nach am meisten aus?

Melissa: Sie ist übersichtlich, man kommt schnell von A nach B, sie ist super hübsch mit dem Main und den Weinbergen und das Ganze ist gepaart mit studentischem fränkischen Wein-Flair. Für seine Größe hat Würzburg wirklich super viel zu bieten.

WE: Dein Video zu „Virtues & Vices“ wurde auf der Festung Marienberg aufgenommen. Wieso hast du dich dafür entschieden? Hat es etwas mit dem Song zu tun?

Melissa: „Virtues and Vices“ heißt übersetzt soviel wie „Tugend und Laster“. In dem Song geht es um mich und mein Musiker-Dasein.

LASTER – Es ist oft ein „Hin und Her“, zum einen auf das Unterwegs sein bezogen, dass man einfach viele Kilometer zurücklegt und ständig unterwegs ist. Zum anderen aber auch auf den Lebensstil. Man ist sein eigener Chef und muss sich immer selbst aufraffen, seine Ziele selbst stecken, von Steuererklärung über Social Media, Instrument trainieren, Kundenkontakt, Emails, Auftritte, Festivals, Booking,… man muss einfach in allen Bereichen immer am Ball bleiben und das kann manchmal echt anstrengend sein kann.

TUGEND – Zum anderen ist es auch der schönste Job der Welt, denn ich darf das machen was ich liebe – Musik, Songs schreiben und Singen, und dafür werde ich auch noch bezahlt. Mir geht es oft so, dass ich recht anstrengende Wochen habe in denen super viel los ist und wenn ich dann einmal ein paar Abende auf dem Sofa verbringe dann sitze ich auch wieder auf heißen Kohlen und freue mich unterwegs zu sein und auf der Bühne zu stehen.

Ich habe mich bewusst für die Marienfestung in Würzburg entscheiden, weil Würzburg für mich HEIMAT oder auch „Roots“ bedeutet. Bei meinem doch eher ungewöhnlichen, bewegten Lebensstil ist es oftmals sehr gut wenn man weiß, wo seine Wurzeln sind. Im Refrain heißt es „it gets me – where it wants me – where it needs me to be“ – manchmal tut es einfach auch richtig gut, in der Heimat zu sein, um Kraft zu tanken und dann wieder weiter ziehen zu können – wo immer auch die Reise hingehen mag.

WE: Bis vor kurzem warst Du in den USA unterwegs – was trieb Dich dorthin?

Melissa: Tatsächlich war der Grund für diese Reise diesmal nicht Musik sondern in erster Linie einfach nur, um sich eine Auszeit gönnen, das Leben und die Natur genießen und meine Familie sehen – ich habe 3 Tanten in den kompletten USA verteilt.

Das sind dann eben die Vorzüge des Freiberufler-Daseins. Wir hatten 3 Monate Zeit um in Canada und in den USA unterwegs zu sein und haben soooo viel erlebt. Das ist echt ein Geschenk und wir genießen unsere Zeit sehr.

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