Inklusion: Zwei Schweinfurterinnen wollen Privatschule gründen
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20. Februar 2020

Die Initiatoren des Schulprojekts Sandra Finzel und Daniela Wittmann. Foto: privat
Eine neue private Schule in Schweinfurt? Die soll es vielleicht bald geben: Der Verein „Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Schweinfurt e.V.“ ist aktuell mit der Gründung einer privaten Schule beschäftigt. Ziel des Konzeptes: Jungen Menschen in der Region ein passgenaues Bildungsangebot bieten und Übergänge ins Berufsleben praxisorientiert ermöglichen. Auch der Inklusionsgedanke spielt hier eine bedeutende Rolle: rund ein Drittel der Schüler sollen Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen sein. Wir haben die Initiatoren Daniela Wittmann und Sandra Finzel zum Schulprojekt befragt.
Durch Zufall zur Idee
Schweinfurt City (SwC): Wer und was steckt hinter dem Verein „Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Schweinfurt e.V.?
Im Verein Gemeinsam Leben-Gemeinsam Lernen Schweinfurt e.V. haben sich Pädagogen, Therapeuten, Eltern behinderter und nichtbehinderter Kinder zusammengeschlossen, um sich für die selbstverständliche Teilhabe (Inklusion) in allen Lebensbereichen einzusetzen. Wir wünschen uns für alle Kinder, dass sie die Chance bekommen von und miteinander zu lernen. Jeder kann vom Anderen lernen und sich selbst dabei weiterentwickeln.
SwC: Ziel ist unter anderem die Gründung einer privaten Schule: Wie kam es zu dieser Idee?
Zu der Schulgründungsidee kam es durch einen kleinen Zufall: Ein Vereinsmitglied kennt ein Gründungsmitglied einer privaten Schule in Oberaudorf und stellte den Kontakt her. Nach einem Besuch vor Ort war schnell klar, dass dieses Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten und die selbstverständliche Akzeptanz jedes Individuums eine Bereicherung für Jeden ist und dies auch unser Wunsch ist.
Bereits auf dem Heimweg entstanden im Zug die ersten Pläne zur Umsetzung. Im staatlichen System besteht zwar das Recht auf Inklusion seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention, allerdings weist die Umsetzung durch verschiedenen Faktoren noch viele Lücken auf. Unser gemeinnütziger Verein agiert in Stadt und Landkreis Schweinfurt – deshalb war es für uns ein großes Glück, auf ein leerstehendes Gebäude in Schweinfurt und sehr offene Ohren der Besitzer zu treffen. Dieses ebenerdige Gebäude bietet für uns ideale Voraussetzungen, um unsere Pläne zu verwirklichen und Inklusion zu leben.

In diesem Gebäude könnte sich zukünftig das Schulleben des Projekts abspielen. Foto: Privat
Lernen in kleinen Klassen
SwC: Was ist das Konzept der Schule?
Unsere Ziele sind einfach, aber in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger. Bei uns ist jedes Kind willkommen, wir selektieren nicht und lernen dadurch selbstverständlich mit Vielfalt zu lernen und leben. Jeder wird da abgeholt, wo er gerade steht, um die Stärken passgenau zu fördern. Dadurch wird automatisch der Fokus weg von den Schwächen hin zu den Stärken gelenkt. Dies geschieht durch lernzieldifferentes Lernen, von dem jedes Kind profitiert.
SwC: Wie wird das Konzept umgesetzt?
In einer Privatschule hat man die Möglichkeit, den Vorteil der Jahrgangsmischung und das Lernen in kleinen Klassen zu nutzen. Wir möchten Inklusion, d.h. wir nehmen ein Drittel Kinder mit Beeinträchtigung an unserer Schule auf und diese Säule wird ergänzt durch die Umsetzung des LOVT-Konzeptes (Lösungsorientiertes Verhalten). Hier wird das Personal dementsprechend ausgebildet und auch immer wieder fortgebildet. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, arbeiten wir im Ganztag. Für die Größeren schaffen wir einen qualitativ hochwertigen Übergang ins Berufsleben. Wir legen viel Wert auf hauswirtschaftliche und lebenspraktische Einheiten. Durch zahlreiche Praktika haben die Schüler die Möglichkeit, in den für sie passenden Beruf hineinzuschnuppern und so Fehlentscheidungen zu verringern bzw. vermeiden.
Es werden die Eltern den Weg zu uns finden, die sich für Ihre Kinder eine inklusive Schule wünschen und unsere Säulen, die unsere Schule charakterisieren, schätzen. So werden wir außerdem ein großes Augenmerk auf Regionalität und Nachhaltigkeit richten. Dabei suchen wir für jedes Kind die passgenauen Lernmethoden, um erfolgreich und mit Freude zu lernen.
SwC: Wie gründet man eigentlich eine Schule?
Richtungsweisend ist natürlich ein besonderes, pädagogisches Konzept. Andererseits muss die Gleichwertigkeit des Regelschulabschlusses gewahrt sein. Natürlich muss ein entsprechendes Gebäude vorhanden sein sowie Schüleranzahl, Lehrpersonal, Finanzierung, Inneneinrichtung usw. müssen zur Beantragung geklärt sein.
Zuversichtlich auf eine Genehmigung
SwC: Wie weit ist die Planung bisher?
Wir sind mittendrin und haben schon einiges erreicht. Allerdings ist das Gelingen von vielen Faktoren abhängig. Vieles greift ineinander und ist voneinander abhängig, sodass eine konkrete Aussage momentan schwer möglich ist.
SwC: Welche Hürden sind noch bis zur Eröffnung zu bewältigen?
Momentan blicken wir zuversichtlich auf eine Genehmigung. Es finden noch einige Gespräche statt, nach denen wir konkreter über noch zu meisternde Herausforderungen reden können. Eine momentane Hürde ist noch die Finanzierung. Hier sind wir auch noch auf Sponsorensuche. Nach der Inbetriebnahme der Schule streben wir die staatliche Anerkennung an.
SwC: Kann man sich am Schulprojekt beteiligen?
Wir freuen uns über Menschen, die wir für unser Herzprojekt begeistern können, Menschen, die genau so ein passendes Angebot für Ihre Kinder suchen. Außerdem sind wir dankbar für alle Unterstützer, egal in welcher Form. Wir freuen uns auf Querdenker und Menschen, die uns bei der Umsetzung helfen. Dies kann vom Ideengeber, Gartengestalter, Sponsor bis über die Pädagogen, die eine neue Herausforderung suchen, sein.
Alle Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, sind bei uns herzlich willkommen. Es wäre super, wenn sich Sponsoren jeglicher Art, sei es Geldspende, Schulküche Büromöbel, Laptops usw. finden würden.
Infos bzw. Kontakt: Sandra Finzel Tel. 09723/936091 oder Daniela Wittmann 09721/750370

