Gastbeitrag: Die Arbeit der FüGK – Teil 2

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1. April 2020

Bei aller Krise können sie trotzdem gemeinsam lachen: Paul Justice, Eva-Maria Löffler, Michael Reitzenstein. Foto: Marion Linneberg
FueGK

Bei aller Krise können sie trotzdem gemeinsam lachen: Paul Justice, Eva-Maria Löffler, Michael Reitzenstein. Foto: Marion Linneberg

Ein Gastbeitrag von Marion Linneberg. 

Ein halbes Stündchen durfte die Verfasserin dieser Zeilen der Führungsgruppe Katastrophenschutz Anfang letzter Woche über die Schulter schauen. Schon nach einer Minute waren zwei Dinge klar: Katastrophenschützer versteht nur, wer Katastrophenschützer ist. Und die echte Katastrophe hat so gar nichts mit der aus Hollywood gemein. Aber der Reihe nach: Die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt (kurz: FüGK) residiert im Keller. Die beiden Fenster lassen etwas Licht herein, ansonsten ist das Ganze – freundlich ausgedrückt – ausgesprochen funktional. Zuletzt berichtete die S3 die Maßnahmen zur Ereignisbewältigung – ein ganz wichtiges Thema derzeit: Die Beschaffung von Desinfektionsmittel und Co.

Hier zu Teil 1: Die Arbeit der FüGK

Telefone laufen im Landratsamt heiß

Paul Justice erteilt der nächsten Rednerin das Wort: Eva-Maria Schorno ist mit ihrem Team der Pressestelle in der Corona-Pandemie als „BuMA“ gefragt, Abkürzung für Bürgerinformation und Medienarbeit. Die Pressesprecherin kommuniziert die abgestimmten Fallzahlen an die Medien und bringt Anfragen von Journalisten, Bürgermeister und Bürger von draußen mit herein. Die Telefone laufen auch dort heiß, verständlicherweise. Außerdem fällt das Bürgertelefon unter ihren Verantwortungsbereich. Tagesaktuell häufen sich dort zum Beispiel Fragen der Bauern, ob sie ihre Felder bestellen dürfen. Oder Angehörige möchten mit Blick auf das nahende Osterfest wissen, ob das Bepflanzen der Gräber möglich ist. Wie bei allen Rednern davor und danach geben ihre Ausführungen nur einen kurzen Überblick wider, schließlich lassen sich in dieser dynamischen Lage nur die wesentlichen Punkte in großer Runde klären.

Freiwillige für das Bürgertelefon

Und wieder ist Paul Justice dran: „Danke. Eva. Zur Bedarfslage am Gesundheitsamt – Andreas bitte.“ Der angesprochene Andreas Dreßel kümmert sich in der Personalstelle normalerweise um Fach- und Führungskräfte, hier ist er als „Innerer Dienst“ zuständig für die Bereitstellung von Personal, das heißt, er organisiert Ablösungen und Vertretungen, erstellt interne Alarmierungslisten oder akquiriert zusätzliche Mitarbeiter aus dem Pool derer, die noch „normal“ arbeiten können. Kein leichter Job in dieser Pandemie, die so viele Fachbereiche zum monothematischen Arbeiten in Sachen Corona zwingt. Dennoch hat er Gutes zu berichten: Nach einem internen Aufruf hätten sich zahlreiche Freiwillige gemeldet, um das Gesundheitsamt und das Bürgertelefon zu unterstützen. „Zusätzlich wird heute Personal aus weniger belasteten Fachbereichen abgestellt“, berichtet er zur sichtlichen Erleichterung von Alexandra Schnitzer am Lage-Schreibtisch.

Zwei-Schicht-Betrieb: Schlafen auf Feldbetten

Weil die Arbeitsbereiche innerhalb der FüGK inzwischen selbst mit Doppelbesetzung an ihre Grenzen kämen, habe man den Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt, erklärt der Personaler weiter. Feldbetten und Nasszellen stünden für die Nachtschicht bereit. Die Einteilung der Schicht-Teams folgt der Methode „Gefahrenreduktion“: Innerhalb der einzelnen Schicht-Teams soll kein Personalwechsel stattfinden, um die Arbeitsfähigkeit der gesamten FüGK bei einer möglichen Ansteckung Einzelner nicht zu gefährden. Mit Blick zum ebenfalls anwesenden Kreisbrandrat Michael Reitzenstein sagt er: „Wir bräuchten für die Lage zwei Männer von euch.“ Prompt kommt die Antwort von dort, dass Kollegen der Feuerwehr freigestellt würden und unterstützten.

Jetzt fehlt nur noch ein Arbeitsbereich innerhalb der FüGK, die „Sichtung“. Dort sitzt Ralf Wachter, dessen Herz auch in Corona-freien Zeiten für den Katastrophenschutz schlägt. Im Fachbereich Sicherheit, Ordnung und Gewerberecht ist er nämlich unter anderem zuständig für den Bevölkerungsschutz, für Manöverschäden und die Schulung von Mitarbeitern in Sachen FüGK. Ist die Katastrophe wie im vorliegenden Fall real geworden, folgt der Strukturaufbau der FüGK seiner exzellenten theoretischen Vorarbeit. Im laufenden Katastrophengeschäft behält der Verwaltungsfachangestellte in der Sichtung sämtliche Meldungen rund um Corona im Blick. Und die gehen angesichts der kritischen Lage und der vielen beteiligten internen und externen Stellen im Minutentakt ein. Wesentliche Meldungen, aber auch relevante Vorgänge und Maßnahmen außerhalb des Landratsamtes, leitet er an die Entscheiderinnen der FüGK bzw. komprimiert an die Lage zur Einordnung weiter.

Materialengpass: die Weichen sind gestellt

Apropos Lage, erneut Paul Justice: „Offen ist jetzt noch die kritische Versorgungslage, da sind die Weichen gestellt, richtig Michael?“ Der Kreisbrandrat Michael Reitzenstein, als Örtlicher Einsatzleiter und Fachberater der Feuerwehr mit an Bord, bestätigt: „Wir haben ein Logistikzentrum aus dem Boden gestampft. Die Materialbeschaffung läuft zentral über München, die ersten Bestellungen gehen schon ein“.

Und dann fällt noch ein Satz, der die Dimension des Engpasses vielleicht am ehesten deutlich macht. „Außerdem haben wir erfahren, dass eine Palette aus München unterwegs ist“, gibt Michael Reitzenstein sichtlich erleichtert zu Protokoll. „Was drauf ist, wissen wir allerdings erst, wenn sie da ist.“

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