Kritik an Fahrpreiserhöhungen im Würzburger ÖPNV
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Würzburg erleben
15. Juli 2020

Fahrscheinautomat. Symbolfoto: Pascal Höfig
Einzelfahrkarten, Tagestickets und 6er Karten werden günstiger, Jahres- und Monatskarten teurer – das wurde vor etwa vier Monaten in einer Sitzung des Planungs-, Umwelt und Mobilitätsausschusses beschlossen. Doch diese Maßnahme kam nicht gut an: Der VCD und das Verkehrsbündnis „Verkehrswende jetzt“ kritisieren den Beschluss scharf. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der ausgerechnet treuesten ÖPNV-Kunden, die im Grunde am stärksten entlastet gehören“, so Bündnis-Sprecherin Karolin Zientarski in einer Pressemitteilung.
Tarifänderungen
Wie in einer Pressinformation mitgeteilt, wird es Anfang August zu der größten Tarifreform seit Gründung der VVM GmbH kommen. Insgesamt werden die Ticketpreise durchschnittlich um 3,32 % teurer, anders als in den Vorjahren sollen aber nicht alle Preise der ÖPNV-Tickets angehoben werden – einige der Fahrkarten werden sogar preiswerter. Mit dem bereits eingeführten vergünstigten Familienticket sowie der Einführung des 365 €-Tickets für Schüler und Azubis ab dem neuen Schuljahr, werden bereits Vergünstigungen umgesetzt. Nun wird auch der Preis für Einzeltickets gesenkt: Statt bisher 2,80 € soll das Ticket, gültig für die Großwabe Würzburg, ab August nur noch 2,50 € kosten. Die Großwabe werde außerdem ausgeweitet, heißt es. Daraus ergeben sich auch niedrigere Preise für das Tagesticket und die 6er-Karte. Die Preise für Monats- und Jahreskarten sollen hingegen zeitgleich steigen.

Familienshopping in Würzburg. Grafik: Bündnis Verkehrswende jetzt
Verkehrswende jetzt kritisiert
Wie das Bündnis in einer Pressemitteilung im Frühling bekannt gab, kritisiert das „Verkehrsbündnis jetzt“ den Beschluss – vor allem, da mit diesem Beschluss das Autofahren und Parken und nicht der ÖPNV gestärkt werden. „Schlechtere Angebote plus jährliche Fahrpreiserhöhungen sind für das Bündnis der ausschlaggebende Grund dafür, dass Würzburg als einzige Großstadt mit einem Straßenbahnbetrieb nicht an dem seit 20 Jahren bundesweit anhaltenden Aufwärtstrend bei den Fahrgastzahlen teilnimmt“, heißt es weiter. Das Bündnis fordert die Stadträte außerdem dazu auf, sich mehr für die Verkehrswende einzusetzen. „Hier zeigt sich: Für CSU, Freie Wähler, Bürgerforum und Würzburger Liste ist die Verkehrswende nur ein Lippenbekenntnis. Echtes Umdenken muss anders aussehen.“, so die Aussage der Bündnis-Sprecherin Zientarski.

Fahrgastentwicklung in Deutschland und Würzburg. Grafik: Bündnis Verkehrswende jetzt
Auch VCD dagegen
Auch der ökologische Verkehrsclub VCD (Kreisverband Mainfranken-Rhön) hält diesen Beschluss für falsch, wie der VCD in einer Pressemitteilung erklärt: 365 €-Tickets seien das, was andere Städte z.B. in Österreich erfolgreich machen würde, heißt es. „Wozu fährt denn der Stadtrat extra nach Innsbruck, um ein positives Beispiel zu betrachten, wenn er dann das Gegenteil davon beschließt?“, so der Vorsitzende Aljoscha Labeille. Ziel wäre es laut Pressemitteilung, so viele Menschen wie möglich für ein Jahresticket zu begeistern. „Das ist das Gegenteil, von dem, was eigentlich nötig wäre, um Busse und Bahnen attraktiver zu machen“, so Niklas Dehne, Mitglied im Landesvorstand des VCD Bayern.

Fahrgastentwicklung im ÖPNV in Würzburg und Freiburg. Grafik: Bündnis Verkehrswende jetzt
„Wir brauchen ein verbessertes Angebot und günstigere und vor allem einfachere Tarife, dass weniger Menschen auf das eigene Auto angewiesen sind“, so Dehne weiter. „Wir können doch nicht ernsthaft jedes Jahr an der Preisschraube nach oben drehen und uns dann wundern, dass immer weniger Fahrgäste Busse und Bahnen nutzen und bei konstant niedrigen Parktarifen immer mehr Menschen mit dem eigenen Auto fahren“.

