Gastbeitrag: Adrian Dußler und sein Kartenspiel „Partout“

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Würzburg erleben

25. August 2020

Adrian Dußler mit seinem Kartenspiel „Partout“. Foto: Alexander Rausch.
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Adrian Dußler mit seinem Kartenspiel „Partout“. Foto: Alexander Rausch.

Gastbeitrag von Alexander Rausch.

Auf dem Fußballfeld hat sich Adrian Dußler durch seine filigrane Spielweise und sein feines Füßchen bereits einen Namen gemacht. Aktuell kickt er beim TSV Abtswind, schnürte aber auch schon für die Würzburger Kickers und den FC Bayern München die Fußballschuhe. Nun möchte sich der 25-jährige Schwabe auch in der Spielewelt etablieren. Mit dem Kartenspiel „Partout“ ist dem Studenten während der Corona-Pause schon der erste große Wurf gelungen.

Pause macht erfinderisch

Eigentlich hat sie Dußler gar nicht getaugt, die lange Fußballpause. „Vier Monate ohne Tore und Zweikämpfe waren schon ätzend“, sagt der gebürtige Augsburger. Doch der Mittelfeldstratege hat schnell Ablenkung gefunden. Nämlich mit spielen. Nicht mit dem runden Leder, sondern mit Karten. „Seit ich klein bin, liebe ich Gesellschaftsspiele. Meine Mutter habe ich immer so lange genervt, bis sie mit mir gespielt hat. Auch mein jüngerer Bruder musste stets als Spielpartner herhalten. Ich war schon immer sehr Spiele begeistert“, erinnert sich Dußler.

Das Miteinander spielt eine große Rolle

Eine Leidenschaft, die sich der Wahl-Würzburger bis heute bewahrt hat. Während die gängigen Gesellschaftskartenspiele wie Skat oder Schafkopf immer mehr auf Online-Plattformen gespielt werden, schloss sich Dußler mit zwei Freunden zusammen und organisierte kleinere Spielturniere und -abende. „Es ist etwas Anderes, wenn man mit Leuten real am Tisch sitzt. Da kommt ein ganz anderes Feeling auf“, findet Dußler. Die gemeinsame Intension war, das Miteinanderspielen wieder sozialer zu machen.

Inspiriert wurde das Trio dabei vom Würzburger Campus Dinner. Dabei wollen die Veranstalter den Studenten ein besseres Kennenlernen untereinander ermöglichen und junge Menschen aus verschiedenen Studiengängen und Semestern zusammenbringen. „Das ist ein sehr cooles Prinzip. Bei jedem Gang lernt man vier neue Leute kennen. Auch spielen ist eine super Gelegenheit, Leute zu verbinden. Zudem dienen die Spiele als Eisbrecher. Es entsteht kein peinliches Schweigen. Durch Spaß und lockere Atmosphäre entstehen Gespräche“, meint der 25-Jährige.

UG „SpielMr“ und „Partout“

Die Veranstaltungen stießen auf reges Interesse, sodass das Trio eine Unternehmensgesellschaft mit dem Namen „SpielMr“ gründete. Ursprünglich leiteten sie die Marke vom saloppen Ausspruch „Spiel mer!“ ab. Doch mittlerweile sind die Drei die „Spielmister“. „Wir hatten die Idee, für die Events ein eigenes Spiel zu kreieren, das ausschließlich für die Veranstaltungen gedacht war“, berichtet Dußler von den Anfängen. Aber Corona machte dem Trio einen Strich durch die Rechnung. Persönliche Treffen waren fortan nicht mehr möglich.

Adrian Dußler mit seinem Kartenspiel „Partout“. Foto: Alexander Rausch

Adrian Dußler mit seinem Kartenspiel „Partout“. Foto: Alexander Rausch

Aber Dußler ließ die Idee des eigenen Spiels nicht mehr los. „Wir hatten einige Grundprinzipien. Das Spiel musste im Team spielbar sein und leicht zu bewerten. Die Punktevergabe musste einfach sein, um Turniere spielen zu können“, erklärt der Spieleentwickler. Zudem stand schnell fest, dass es ein handliches Kartenspiel sein muss, dass man überall mit hinnehmen kann. Inspiration holte sich der 25-Jährige bei anderen traditionellen Kartenspielen wie Wizard, Schafkopf oder Waddeln. Schnell kristallisierte sich Stichspiel für sechs Spieler heraus. Sechs Spieler, die in drei Teams agieren. Die Zusammensetzung ist dem Campus Dinner angelehnt. Auch zwei Duos sind möglich. Zusammen mit einem Partner zu spielen, hebt „Partout“ auch von anderen Klassikern ab.

Spielablauf

Jeder Spieler bekommt sieben Karten auf die Hand. Danach werden Trumpfzahl von demjenigen, der beginnt, und Trumpffarbe vom zweiten in der Runde bestimmt. Die Zahl sticht dabei stets die Farbe aus. Auf den mittelalterlichen Symbolen versehenen Karten sind die Zahlen 1 bis 9 abgebildet und in den Farben schwarz, rot, blau und grün gehalten. Dazu kommen sechs Spezialkarten, die das Spiel unberechenbarer machen: der König und die Königin, die jede Runde gewinnen; der Hofnarr, der die Wirkung der beiden aufhebt, selbst aber nicht stechen kann; das Verließ, das die Wirkung einer vorhergelegten Karte annulliert; der Mathematiker, der die Trumpfzahl ändert und die Alchimistin, die die Trumpffarbe ändert.

Danach sagt jeder die Stiche voraus, die er sich zutraut. Diese werden dann im Team addiert. Wird diese Anzahl erreicht, gibt es Zusatzpunkte. Daneben wird jeder Stich mit einem Punkt gewertet. „Über das Wertungssystem habe ich mir lange den Kopf zerbrochen, es zig Mal durchgerechnet, bis es gepasst hat“, berichtet Dußler. Nachbesserungsbedarf sahen die Testspieler aber wenig. Die ersten Proben verliefen vielversprechend, das Feedback unerwartet gut. Die Grundidee veränderte der Student kaum mehr.

Bereits 300 verkaufte Exemplare

Dußler und seine Kameraden wagten das Risiko, ließen die Spielidee urheberrechtlich schützen und brachten das Kartenspiel auf den Markt. „Wir haben bereits 300 Exemplare verkauft. Das ist schon cool, wie es sich verbreitet und wie mein Freundeskreis es schon spielt“, ist der Spieleentwickler stolz. Neben dem Onlineverkauf ist das Spiel auch in den Buchläden „Neuer Weg“ und „Zeychen und Wunder“ zu erstehen. Allerdings sei die Vermarktung gar nicht so leicht bei der großen Fülle an Spielen. Vieles laufe über Mundpropaganda. Deshalb bereitet sich Dußler bereits auf die Spielmesse „Spiel“ vor, die dieses Jahr digital stattfindet. Dort möchte er weitere Kontakte knüpfen mit potenziellen Kunden, Verkäufern und Spielebloggern. Denn Dußlers Spiel ist noch lange nicht zu Ende. Vielmehr hat es gerade erst begonnen.

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