Johann Rüttinger Dampfwaschanlage: Größter Zellerauer Arbeitgeber

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21. September 2020

Das Gebäude der Johann Rüttinger Dampfwaschanlage in der Zellerau. Archiv: Willi Dürrnagel
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Das Gebäude der Johann Rüttinger Dampfwaschanlage in der Zellerau. Archiv: Willi Dürrnagel

Der größte Arbeitgeber der Zellerau war zweifelsohne Johann Rüttinger mit seiner Waschanstalt – außerdem war dies gleichzeitig auch der größte und modernste Betrieb dieser Art in Bayern. Sechs Kasernen, das Standortlazarett, Flugplätze in Giebelstadt und Kitzingen mit den dortigen Kasernen, die unterfränkischen Truppenübungsplätze, sowie viele weitere Einrichtungen hatten einen Vertrag mit der Waschanstalt.

Ähnlich wie Waschmaschinen

Da es früher noch keine Waschmaschinen gab, musste man sich anders zu helfen wissen. Alles mit der Hand zu waschen, wird auf Dauer zu anstrengend und vor allem auch ineffizient. Deshalb war eine Waschanstalt eine große Gelegenheit, besonders für eine große Menge an Kleidung. Man könnte die Funktion mit einer heutigen Waschmaschine vergleichen – nur die Wäschetrommeln waren viel größer. Diese wurden von Transmissionsriemen bewegt – ihre Kraft hatten sie von einer Dampfmaschine.

Johann Rüttingers Chance

Die beiden Brüder Johann und Michael Göß verlegen im Jahr 1874 ihre Wäscherei aus dem Mainviertel in den Himmelspfortenweg und nannten diese „Gut Sedan“. Dieses lag zwischen der Weißenburgstraße und der Adelgundestraße (jetzt Friedrichstraße). Das war eine gute Chance für sie, da es früher viele Wäscher und Wäscherinnen gab und natürlich auch viele Menschen, die ihre schmutzige Wäsche waschen wollten. Jedoch starben die beiden Brüder Göß recht früh im Alter von 33 und 37 Jahren an Tuberkulose. Ihre Witwen heirateten wieder. Eine davon heiratete 1879 zum zweiten Mal – und zwar Johann Rüttinger aus Roßbrunn. Zusammen – und dank der militärischen Entwicklung in der Zellerau – stand dem Erfolg ihrer Wäscherei nichts mehr im Weg. Diese wurde nämlich zu einer hochindustriellen königlichen Dampfwaschanstalt.

Johann Rüttinger Dampfwaschanlage als Königliche Bayerische Hof-Waschanstalt. Archiv: Willi Dürrnagel

Johann Rüttinger Dampfwaschanlage als Königliche Bayerische Hof-Waschanstalt. Archiv: Willi Dürrnagel

Militär als Auftragsgeber

Die Königlich Bayerische Armee baute 1879 ihre „Neue Infanterie-Kaserne“ in der Weißenburgstraße. Johann Rüttinger nutzte die Gelegenheit und schloss einen Vertrag mit der Armee zum alleinigen Recht zur Reinigung der Kasernenwäsche. Neben der Wäscherei wurde damals außerdem die neue Kaserne der Heeresbäckerei und das Verpflegungsamt in der Friedrichstraße gebaut – heute der Standort des Friedrich-König-Gymnasiums.

Da die Auftragsgeber sehr zufrieden mit der Arbeit von Johann Rüttingers Wäscherei waren, wuchs der Wäschereibetrieb ebenfalls. Sobald sich das Militär vergrößerte, tat dies auch gleichzeitig die Wäscherei. Im Jahr 1885 wollte man sein Anwesen vergrößern und baute eine große Halle zum Trocknen der Wäsche – unabhängig vom Wetter. Anschließend stieg man auf mit Dampf betriebene Maschinen um und beschaffte sich einen eigenen Fuhrpark.

Außenansicht des Gebäudes mit Informationsschildern. Archiv: Willi Dürrnagel

Außenansicht des Gebäudes mit Informationsschildern. Archiv: Willi Dürrnagel

Zwischen 1909 und 1912 wurde ein mit Stahlbeton gebauter Neubau errichtet – für die damaligen Verhältnisse das modernste Industriegebäude Bayerns. Während des Bombenangriffs brannte dieses 1945 komplett aus, jedoch blieb die Funktionsfähigkeit erhalten. Neben der Dampfwaschanlage errichtete Johann Rüttinger zur gleichen Zeit das „Johannes Bad“ – eine Badeanstalt mit zusätzlicher Badeabteilung für Soldaten der Infanterie-Kaserne. Rückwärts vom Johannisbad, das sich im Anwesen Weißenburgstraße 11 befand, lag die Dampfwaschanstalt, chemische Reinigungsanstalt und Färberei. Im Jahr 1921 starb Johan Rüttinger.

Wäschereigebäude heute

Ihre Blütezeit hatte die Waschanlage während der Zeit des „Großdeutschen Reiches“, da diese hauptsächlich für die Wehrmacht tätig war. Nach dem Brand 1945 und dem Tod des einzigen männlichen Erben an der Front, war dies das Ende der Wäscherei. Jedoch wurde das große Wäschereigebäude wiederhergerichtet und von der Stadt an die „Greiff-Werke“ verpachtet. Von 1959 bis 1983 wurden dort Berufskleidungen hergestellt. Nachdem die Firma Janz und verschiedene andere Institute dort ihr Anwesen hatten, richteten sich die „Carnevalsfreunde Zellerau“ ihr Domizil im Keller ein.

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