Zwei traditionsreiche Würzburger Läden schließen

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Katharina Kraus

4. November 2020

Eliane Moden und Leder-Pelze-Mode Drescher. Collage: Katharina Kraus
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Eliane Moden und Leder-Pelze-Mode Drescher. Collage: Katharina Kraus

Auch am Würzburger Einzelhandel geht die anhaltende Corona-Pandemie nicht spurlos vorüber. Zwei Läden mit langer Tradition kündigen zum Beispiel derzeit ihre Schließung auf roten „Räumungsverkauf“-Schildern an. „Alles muss raus“ heißt es beim Fashionstore „Eliane Moden“ in der Blasiusgasse und auch das Fachgeschäft für Leder und Pelze „Drescher“ in der Eichhornstraße wird schließen.

„Eliane Moden“ meldet Insolvenz an

Das Modegeschäft „Eliane Moden“ verkaufte seit jeher Marken im Premium-Segment und zog nicht nur Kundinnen aus Würzburg und dem näheren Umland an. Laut Main-Post besuchten sogar fashionbegeisterte Damen aus Frankfurt und München den Laden in der Blasiusgasse. Doch jetzt mussten die Inhaber Eliane und Christian Broermann Insolvenz anmelden, so die Main-Post.

Umsatzeinbruch durch Lockdown

Der Lockdown im Frühjahr habe zu einem Umsatzeinbruch von beinahe 90 Prozent geführt, heißt es, und auch der Vermieter der Ladenimmobilie – laut Main-Post eine Verwaltungsgesellschaft für kirchliche Immobilien – habe keine Notwendigkeit für eine Mietminderung gesehen. Inhaberin Eliane Broermann habe zwar eine finanzielle Soforthilfe erhalten, so die Main-Post, allerdings habe diese nur zu einer kleinen Entlastung beigetragen, da die Höhe der Unterstützung an die Anzahl der Mitarbeiter und nicht an den Umsatz gekoppelt war. Und auch die Senkung der Mehrwertsteuer habe keinen spürbaren Aufschwung im Konsumverhalten der Kundinnen gezeigt.

So muss die Boutique Ende des Monats für immer schließen, fünf teilweise jahrzehntelange Mitarbeiterinnen, darunter eine Schneiderin, verlieren ihren Arbeitsplatz, so die Main-Post.

50-jährige Geschichte endet

Mit „Eliane Moden“ geht die Geschichte eines seit über 50 Jahren inhabergeführten Modeunternehmens in Würzburg zuende. Bereits 1968 hat die Mutter von Eliane Broermann ihr erstes Geschäft eröffnet, 1999 ist man an den heutigen Standort gezogen und 2008 haben schließlich die heutigen Inhaber den Laden übernommen, so die Main-Post. Der Räumungsverkauf dauert noch bis Ende des Monats.

Eliane Moden in der Blasiusgasse. Foto: Katharina Kraus

Eliane Moden in der Blasiusgasse. Foto: Katharina Kraus

Räumungsverkauf bei „Drescher“

Und auch bei „Pelz und Leder Drescher“ in der Eichhornstraße stehen die Zeichen auf Schließung. Die Plakate an den Schaufenstern kündigen die Geschäftsaufgabe bereits an.“Mit einem Joachim hat es 1654 begonnen und mit einem Joachim wird es 2021 auch enden“, resümiert Joachim Drescher, Inhaber der Firma Pelze und Leder Drescher. Im Frühjahr 2021 wird Drescher das Geschäft in der Eichhornstraße schließen.

"Leder - Pelze - Lammfelle Drescher" in der Eichhornstraße, Ecke Dominikanergasse. Foto: Katharina Kraus

„Leder – Pelze – Mode Drescher“ in der Eichhornstraße, Ecke Dominikanergasse. Foto: Katharina Kraus

Joachim Drescher schmerzt es sehr, den Familienbetrieb nach so langer Zeit schließen zu müssen, doch Drescher ist nicht nur Kürschnermeister, sondern auch Diplom-Kaufmann. Und unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten blieb kaum eine Wahl, erzählt er. So ist der Handel mit Pelzen grundsätzlich ein Saisongeschäft, im Winter muss der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet werden. Daher ergänzte Drescher das Sortiment schon vor Jahren um Artikel wie Taschen, Geldbeutel, Strohhüte sowie Dirndl und Tracht, die auch im Sommer gehen. „Darüber hinaus führen wir eine große Kollektion an Lederbekleidung“, fügt Drescher hinzu.

Dennoch erschwerten die zunehmend warmen Winter und die heißen Sommer der letzten Jahre den Absatz der Waren. Auch wenn Pelz aus nachhaltiger, sauberer Erzeugung nach wie vor seine Liebhaber findet, so ist der Markt doch zu klein geworden. Hinzu kommt ein Wertewandel in der Gesellschaft, der einhergeht mit Veränderungen im Konsumentenverhalten. Dass vor allem die auswärtige Kundschaft zunehmend über die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt klagt, erschwert die Situation weiter.

Onlinehandel und Umbau der Eichhornstraße

Nicht zuletzt hinterlässt auch der boomende Internethandel deutliche Spuren bei den alteingesessenen Geschäften in den Innenstädten. „Der Online-Handel kommt für uns nicht infrage“, erklärt Drescher. Dazu sei das Produkt zu hochwertig. „Unsere Stärken waren und sind seit jeher fachkundige Beratung und Service gepaart mit handwerklichem Können. Das finden Sie nicht im Internet.“

Auch der Umbau der Eichhornstraße zur Fußgängerzone sitzt den dort ansässigen Geschäftsleuten noch in den Knochen. „Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt“, sagt Drescher, trotz eines zeitweiligen Umsatzrückgangs von 30 % bis 50 %. „Die Jahre der Baustelle konnten wir mit unseren Rücklagen auffangen, da wir immer sparsam und umsichtig gewirtschaftet haben“, so der Kaufmann. Geholfen habe auch das gute Baustellenmanagement in der Eichhornstraße: „Ende 2019 waren wir eigentlich wieder ganz gut dabei“.

Und dann kam Corona

Dann kam Corona. „Die Pandemie hat uns regelrecht ausgebremst“, kommentiert Drescher. Nach dem Shut-Down war nichts mehr wie vorher. Lieferanten konnten teilweise nicht liefern, weil Fabriken still standen. Kollektionen wurden gekürzt, der Dirndl- und Trachtenmarkt brach völlig zusammen. Tagestouristen blieben aus, auch die heimische Laufkundschaft nahm ab. Steigende Inzidenzienzahlen führen zu einem sofortigen Rückgang der Geschäfte, beobachtet Drescher.

Gleichzeitig laufen die Kosten weiter. „Unter diesen Voraussetzungen hat ein inhabergeführtes Unternehmen unserer Ausrichtung und Größenordnung kaum eine Überlebenschance“, urteilt Drescher. Den Zeitpunkt der Schließung hat der Geschäftsmann bewusst gewählt: „Es war mir ein großes Anliegen, dass meine langjährigen Mitarbeiterinnen, die kurz vor der Altersgrenze standen, noch geregelt in Rente gehen konnten, ohne kurz vor Schluss noch arbeitslos zu werden“, sagt Drescher. „Das hat gut geklappt!“

Tradition seit 1654

Das Fachgeschäft für Pelz-, Leder- und Lammfellmode ist deutschlandweit bekannt und führt als Meisterbetrieb sogar eine eigene Kürschnerei. Diese Tradition in der Familie Drescher reicht bis ins Jahr 1654 zurück. Beginnend im Stammhaus in Schweinfurt, wurde das Handwerk samt Verkauf in Würzburg fortgeführt. Der „Urvater“ des Familienbetriebs hatte sich kurz nach dem 30-jährigen Krieg in Schweinfurt niedergelassen und dort eine Kürschnerei in der Keßlergasse gegründet – heute das Elternhaus von Joachim Drescher. Anfang der 1980-er Jahre eröffnete sein Vater Hansgeorg eine Filiale in der Würzburger Schustergasse. Weil die Geschäfte gut gingen, musste schnell vergrößert werden: 1986 folgte der Umzug in die Eichhornstraße.

Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: die Großeltern des heutigen Inhabers Grete und Otto Drescher ca. 1925 vor ihrem Laden in Schweinfurt (links). | Das damals noch kleine Geschäft 1982 in der Würzburger Schustergasse 12. Fotos: Drescher

Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: die Großeltern des heutigen Inhabers Grete und Otto Drescher ca. 1925 vor ihrem Laden in Schweinfurt (links). | Das damals noch kleine Geschäft 1982 in der Würzburger Schustergasse 12. Fotos: Drescher

Auf über 250 Quadratmetern und drei Stockwerken werden im Laden in der Eichhornstraße neben Leder- und Pelzwaren auch Trachtenmode, Mützen, Schals und Handschuhe angeboten – doch jetzt allerdings im Räumungsverkauf, spätestens Frühjahr 2021 soll dann Schluss sein.

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