Über 30 Jahre im Einsatz für Natur und Mensch: Würzburger Bergwaldprojekt e.V.
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Würzburg erleben
2. Februar 2021

Im Wald tatkräftig mit anpacken. Foto: Bergwaldprojekt e.V.
Gastbeitrag von Lena Gärtner.
Ca. 3.500 Freiwillige machen sich jährlich von Februar bis November mit dem gemeinnützigen, in Würzburg ansässigen Verein, Bergwaldprojekt auf, um sich deutschlandweit tatkräftig für den Schutz und Erhalt der heimischen Ökosysteme zu engagieren. Der Verein feierte letztes Jahr bereits seine 30. Saison – und musste die Hälfte der angebotenen Wochen coronabedingt absagen. Trotzdem war die Nachfrage nach den Projekten ungebremst und die Wochen ausgebucht, sobald im Sommer und Herbst wieder Einsätze mit strengem Hygienekonzept durchgeführt werden konnten. Die Wochen im November 2020 und auch die ersten Einsätze in diesem Jahr wurden dann wieder abgesagt. Nun hofft der Verein, dass sich das Infektionsgeschehen weiter beruhigt und er rasch wieder mit Freiwilligen draußen aktiv werden kann.
Bedrohung des Waldes
Denn auch die Klimakrise und die damit zusammen hängende Zerstörung der heimischen Wälder machen keine Pause, und der Einsatz für den Schutz und Erhalt der Wälder ist dringend notwendig: Offiziell sind nach den vergangenen Dürrejahren 285.000 Hektar Wald abgestorben, und ein Ende dieser fatalen Entwicklung ist nicht in Sicht. Zusätzlich werden die heimischen Wälder seit Jahrzehnten von hohen Schadstoffeinträgen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft geschwächt. Mängel in der fachlichen Praxis, wie z. B. Übernutzung der Bestände und Bodenverdichtung, schädigen die Waldgesellschaften zudem empfindlich. Auch überhöhte Schalenwildbestände verbeißen noch immer zu viele junge Bäume. Als Folge sind viele Waldbestände Monokulturen, die besonders anfällig für Sturmwurf und Insektenbefall sind.

Pflanzung von Weißtannen in Wertach. Foto: Bergwaldprojekte.V.
Dabei haben intakte Wälder unersetzbare und lebenswichtige Funktionen: Naturnahe Bergwälder bieten Schutz vor Erosion, Hochwasser, Trockenheit, Steinschlag und Lawinen, und sie stabilisieren das Klima. Gerade naturnahe Wälder speichern große Mengen Kohlenstoff in den Bäumen und Böden. Sie reinigen die Atemluft und liefern sauberes Trinkwasser. Natürliche Waldgesellschaften sind zudem Lebensgemeinschaften für unzählige Arten und deshalb für den Erhalt der Biodiversität besonders wichtig. Sie sind aber auch wertvolle Erholungsräume und wichtige Wirtschaftsgüter für den Menschen.
Also: Auf in den Wald, Ärmel hochkrempeln und selbst aktiv werden in einer Einsatzwoche des Bergwaldprojekts!
Engagement für den Wald
Eine Woche des Bergwaldprojekts, z. B. im nahegelegenen Spessart, beginnt Sonntagnachmittag, wenn die Freiwilligen zum Projektort anreisen, die Zimmer werden bezogen, Zelte aufgebaut, die ersten Kontakte mit den meist noch unbekannten Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft, mit denen man die kommende Woche verbringen wird, geknüpft, Organisatorisches geklärt, wenn das Wetter es zulässt, ein gemeinsames Drei-Gänge-Abendmenü unter freiem Himmel genossen, und sich noch gemeinsam beim Lagerfeuer eingefunden, um den Abend ausklingen zu lassen. Ob draußen oder drinnen: Stets wird selbstverständlich auf die Abstands- und Hygieneregeln wegen der Corona-Pandemie geachtet.
Neben der Projektleitung, ausgebildete FörsterInnen, die die Gruppe fachlich anleiten, fährt in jede Woche auch ein Koch oder eine Köchin mit, die sich liebevoll um das leibliche Wohl der Freiwilligen sorgen: „Auf unserem Speiseplan stehen vegetarische oder vegane, regionale, saisonale und ökologische Lebensmittel“, erklärt Miriam Petrak, eine der langjährigen Bergwaldprojekt-Köchinnen aus der Nähe von Würzburg, „Unsere Speisen sind gesund und vollwertig, und wir schützen damit schon beim Essen das Klima.“ Wenn aber die örtliche Försterin nach erfolgreicher Jagd der fleißigen Truppe ein Reh vorbeibringt, kommt am Ende der Woche auch schon mal ein Wildbraten auf den Tisch.
Los gehts!
Nach der erholsamen ersten Nacht werden die Teilnehmenden montagmorgens um sechs Uhr früh geweckt. Oft zieht dann noch der Frühnebel um die einfache und abgelegene Waldhütte oder den kleinen Zeltplatz, wo die Gruppe für die Einsatzwoche wohnt. Der neue Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück.
Danach macht die Gruppe sich auf zur nahe gelegenen Arbeitsfläche – die Einsätze finden ausschließlich in öffentlichen Wald- und Naturschutzgebieten statt, die von örtlichen Forst- und Naturschutzeinrichtungen betreut werden. Maske auf und rein in die geräumigen Busse, die von der Zentrale in Würzburg aus bereits vor der Woche Werkzeug, Zelt- und Küchenausrüstung an den Einsatzort gebracht haben. Manchmal liegt die Arbeitsfläche auch in fußläufiger Entfernung, dann beginnt der Arbeitstag mit einem lauschigen Waldspaziergang – so lässt es sich leben.

Projekte im Nationalpark Jasmund (Links) und in Garmisch-Partenkirchen. Fotos: Bergwaldprojekt e.V.
Immer eine fachkundige Einweisung
Die fachkundige Einweisung in die geplanten Maßnahmen und die effektive Handhabung des bereitgestellten Werkzeugs übernehmen die Bergwaldprojekt-Försterinnen oder -Landschaftsökologen. Und dann wird losgelegt: Ausgerüstet mit Wiedehopfhaue, Axt, Zwei-Personen-Säge und weiterem Werkzeug leisten die Freiwilligen fachlich hochwertige Naturschutzarbeiten: Pflanzungen und Pflegemaßnahmen, Erosionsverbauungen, Steigbau und Biotoppflege, Bachrenaturierungen. Auch in der Moorwiedervernässung und der Kulturlandschaftspflege ist das Bergwaldprojekt mit Freiwilligen tätig. Bei der Arbeit an der frischen Luft lässt sich der vorgeschriebene Corona-Abstand gut einhalten.
Fürs leibliche Wohl ist gesorgt
Rasch ist das erste Drittel des Arbeitstages geschafft, die Gruppe versammelt sich zum zweiten Frühstück. Auf Holzstümpfen oder im weichen Moos sitzend und von durch die Baumkronen lugenden Sonnenstrahlen gestreift, stärken sich die Freiwilligen mit Obst, deftigem Bergkäse, veganem Aufstrich und frischem Bauernbrot, das sie früh in die eigenen Frühstücksboxen gepackt haben. Später zur Mittagszeit gibt es auch eine heiße Suppe, die mit Einmalhandschuhen und Mundschutz vom Mittagessen-Beauftragten ausgeteilt wird.
Gegen 17 Uhr ist das Tagwerk beendet, und die Rückfahrt oder der Rückmarsch zur Unterkunft wird angetreten. Dort ist noch genügend Zeit für ein erfrischendes Bad im Wildbach, einen Plausch mit den anderen oder um etwas zu lesen. Dann lockt auch schon der köstliche Duft des allabendlich von den erfahrenen Bergwaldprojekt-Köchinnen und -Köchen zubereiteten Festmahls. Jede Mühsal des Tages ist bei der liebevoll und abwechslungsreich zubereiteten Kost schnell vergessen.
Das gute Gefühl, sich nützlich zu machen
Die Ehrenamtlichen setzen sich auch in den kommenden vier Tagen schweißtreibend von morgens bis abends für ihre Umgebung und einen zukünftigen stabilen Wald ein. Jeden Abend macht sich der Muskelkater bemerkbar, aber auch das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Die Woche über werden von der Projektleitung kleine Vorträge zu den Zusammenhängen in der Natur sowie zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen angeboten. Es entstehen Freundschaften und Einsichten, das viele Draußen- und fern vom Alltag sein entspannt, tut gut, schärft den Blick für Wesentliches und öffnet Herz und Kopf für neue Ideen und Inspirationen.
Trotz Anstrengung positive Eindrücke
Trotz aller Entbehrungen und Mühen in den letzten Tagen zeigen sich am Freitag zufriedene Gesichter. Heute wird nur bis zum Mittagessen gearbeitet, dann holt die örtliche Försterin die Arbeitenden am Lagerplatz ab und bedankt sich bei der Gruppe mit einer Exkursion durch ihr Revier. Sie erläutert die Waldgeschichte und die langfristigen Waldentwicklungsziele, das notwendige Wildmanagement und zeigt, welche Besonderheiten und Schönheit die Natur hier hervorgebracht hat. Für die Freiwilligen ist dies jetzt besonders eindrucksvoll: Während die Anstrengungen der letzten Tage noch gut zu spüren sind, wird ihnen klar, warum es sinnvoll ist, mit den natürlichen Lebensgrundlagen so umzugehen, dass diese auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
„Trotz der körperlich anstrengenden Arbeiten nehmen die Freiwilligen aus den Projektwochen viele gute Eindrücke mit in ihren Alltag, die dort positiv nachwirken“, bestätigt Christoph Wehner, Vorstand für die Projektkoordination des Bergwaldprojekt e.V., und von Anfang an dabei.
Vom Wald in die Welt
Der geschäftsführende Vorstand des Vereins, Stephen Wehner, ergänzt: „Die Ehrenamtlichen übernehmen mit dem Bergwaldprojekt kollektive Verantwortung, indem sie sich für den Schutz der Ökosysteme und damit auch für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen. Neben den offensichtlichen unmittelbaren ökologischen Erfolgen nehmen die Freiwilligen dabei auch ein erweitertes Ausmaß ihrer persönlichen Selbstwirksamkeit und Kooperationsfähigkeit wahr, die wichtige psychologische Ressourcen für die individuelle Transformation bilden.

Ein Projekt in Hiddensee. Foto: Bergwaldprojekt e.V.
Diese Erfahrungen bereiten den Weg für die unvermeidbare globale ökologische und soziale Transformation, die bislang noch trotz aller wissenschaftlicher Fakten an der allgemeinen Unstimmigkeit von Wissen und Tun scheitert. Je mehr Menschen sich auf diesen Weg begeben, umso stärker wird diese kollektive Verantwortung entfaltet, die schließlich auch die politischen Blockaden auflösen wird – ‚Be the change you want to see in the world‘, um es mit den berühmten Worten Gandhis zu sagen.“
Weitere Infos zum Bergwaldprojekt
Mehr Infos zum Bergwaldprojekt e.V. und Anmeldung zu den Projektwochen, einzelnen Pflanztagen oder Waldbade-Terminen in der Nähe von Würzburg gibt es online. Die Anmeldung ist kostenlos, Unterkunft und Verpflegung übernimmt der Verein, lediglich die An- und Abreise zahlen die Teilnehmenden selbst. Bis Anfang März 2021 können keine Projektwochen stattfinden, das Bergwaldprojekt hofft, die geplanten Einsätze danach durchführen zu können.

