Konzepte für Posthallen-Nachfolge von THWS-Studierenden
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Philipp Heilgenthal
28. Juli 2025

Visualisierung einer neuen Posthalle auf dem Gelände des alten Gasometers oberhalb des Würzburger Hauptbahnhofs des Studenten Martin Wichmann. Darstellung: Martin Wichmann
Im Frühjahr 2026 ist endgültig Schluss mit der Posthalle (Poha) am Würzburger Hauptbahnhof. Doch wie soll es nach Auslaufen des Mietvertrags weitergehen? Mit dieser Frage haben sich elf Studierende der Geovisualisierung an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) in ihrem vierten Semester auseinandergesetzt und verschiedene Konzepte entwickelt.
Sehr realitätsnahes und relevantes Semesterprojekt
Unter dem Motto „Die Posthalle ist tot. Es lebe die Posthalle!“ haben die Studierenden unter Anleitung von THWS-Dozent Stefan Sauer Ideen rund um den Weiterbetrieb der Halle entwickelt. Schließlich ist die Posthalle mit jährlich bis zu 200 Veranstaltungen für bis zu 2.000 Menschen einzigartig in der Region und wichtiger Bestandteil der hiesigen Kulturszene. Eine große Portion Realitätsnähe und Interesse bekam das Semesterprojekt durch die externen Projektpartner: Joachim (Jojo) Schulz, der die Posthalle seit 2008 betreibt, gab wertvollen Input zu Hallengröße, Anforderungen und Logistik. Peter Wiegand und Uwe Kömpel vom Fachbereich Stadtplanung der Stadt Würzburg steuerten Expertenwissen rund um Infrastruktur und Stadtentwicklung bei.
Aufgabe der Studierenden war es, einen geeigneten Standort auszuwählen und ein städtebauliches Konzept zu erstellen – mit Visualisierungen, Skizzen, Bildern, Planzeichnungen und Renderings. Neben Erreichbarkeit, Emissionsschutz und Rettungswegen sollten auch Backstage-Bereich, Anlieferung, Bewirtung und Sanitäranlagen sowie Büros, Lager und Werkstätten berücksichtigt werden.
Fünf von elf Entwürfen am Neuen Hafen – „Kulturinsel“ und „Schmelztiegel“
Bei einer Konzeptpräsentation haben die Studierenden ihre Ideen vorgestellt. Gleich fünf der elf Entwürfe drehten sich dabei um das Gelände des Neuen Hafens im Norden der Stadt: Martin Rapps entwirft einen „Schmelztiegel“ auf dem Schrottplatz, Justus Lippert nutzt den alten Kohlelagerplatz für eine Veranstaltungshalle, baut Bahnwaggons zu verschiebbaren Cafés und Werkstätten um und errichtet Schwimmpontons im Hafenbecken. Melanie Richter und Rebecca Ruttor skizzieren eine „Kulturinsel im Neuen Hafen“ – mit Veranstaltungshalle, Raum für Open-Air-Events und Volksfeste sowie Freizeitflächen; das Problem der fehlenden Verkehrsanbindung lösen sie durch einen Fußgängersteg in die Zellerau. Lukas Roth macht das leerstehende Baywa-Gebäude zur Residenz der Poha 2.0.

Der gesamte Kurs der Geovisualisierung an der THWS mit den Kursleitern. Foto: Anja Legge
Ständerbühlstraße hinter dem Hauptbahnhof als attraktiver Ort
Attraktiv ist auch der Bereich Ständerbühlstraße zwischen Hauptbahnhof und Nordtangente. Bei Martin Wichmann und Christian Mandel ersteht sogar das ehemalige Gasometer in attraktivem Gewand neu – mit Veranstaltungshalle und Logistik, Freizeitangeboten und Gastronomie unter einer begrünten Glaskuppel. Lorenz Schroeter konzipiert die Poha 2.0 bewusst niedrig, mit beschatteter Open-Air-Fläche und Raum für Foodtrucks, während Marius Peter einen „Rockschuppen“ auf dem alten Bahnareal vorschlägt.
„Solche Visionen bringen uns voran und regen zum Weiterspinnen an“, Peter Wiegand, Stadtplaner der Stadt Würzburg
Mut zu Luftigkeit beweist Philipp Watzke mit seiner „Poha am Main“. Sein rasch realisierbares Konzept an und unter der Brücke der Deutschen Einheit kombiniert eine winterfeste Halle mit fliegenden Bauten für den Open-Air-Betrieb. Vanessa Göpf bringt schließlich mit einer leerstehenden Halle der Firma Brose noch einen ganz neuen Standort ins Spiel.

Das Konzept „Schmelztiegel“ von Martin Rapps passt sich mit Containern optisch der Umgebung des Neuen Hafens an. Darstellung: Martin Rapps
Jojo Schulz: „Das alte Gasometer wäre echt cool“
Für die beiden Stadtplaner Peter Wiegand und Uwe Kömpel sind die Entwürfe „spannend und inspirierend“. Manches sei „rasch realisierbar“, manches „sehr groß und komplex“. „Doch solche Visionen bringen uns voran und regen zum Weiterspinnen an“, ist Wiegand überzeugt. Mit der Posthalle GmbH sei die Stadt „in der glücklichen Lage, eine Betreibergesellschaft, ein funktionierendes Konzept und einen etablierten Markt zu haben“. Nun brauche es vor allem den politischen Willen, um einen Rahmen für den Weiterbetrieb zu schaffen. Dozent Stefan Sauer hebt, neben der großen Praxisnähe, die enorme Methodenvielfalt hervor, die die Studierenden bei der Umsetzung an den Tag legten: „Vom Skizzieren per Hand über Bauzeichnungen bis zum Rendern und Visualisieren war alles dabei.“
Und welchen Entwurf würde Jojo Schulz nehmen, wenn Geld ausnahmsweise keine Rolle spielen würde? „Das alte neue Gasometer“, antwortet der Hallenbetreiber ohne Umschweife, „weil es cool ist und gut zu Würzburg passt.“
Die Entwürfe sind online einsehbar unter: https://geovisualisierung.com/microsite/posthalle
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Pressemitteilung der THWS - Technische Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.

