„Cash only“: Erfahrungen aus Würzburg mit fehlenden Möglichkeiten zur Kartenzahlung
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Manuel Scholze
13. August 2025

Nicht immer ist ein technisches Problem die Ursache: Manche Dienstleister und Geschäfte akzeptieren keine Kartenzahlung. Foto: Katja Latz-Voinich
„Augen zu, Karte durch“ ist ein beliebter Spruch, wenn einen die Shoppinglaune mal wieder überrollt. Ist erst einmal das gefunden, was man(n) dringend haben will, kann ein alltäglicher Vorgang beim Bezahlen jedoch die Laune trüben. In der Hand die EC-Karte, über die Lippe ist schon „Mit Karte, bitte“ gekommen – doch an der Ladentheke in Würzburg bleibt das Bezahlterminal stumm oder der Mitarbeitende winkt freundlich ab. Sei es wegen instabilem W-Lan, technischen Störungen oder schlicht fehlender Bereitschaft: In manchen Würzburger Geschäften, im Taxi oder auch im ÖPNV (ohne die passende App) hat das bargeldlose Bezahlen seine Tücken. So wird der Bezahlvorgang immer wieder zur Geduldsprobe – und Teile der Stadt zur kleinen Insel des Barzahlens im digitalen Zeitalter.
Welche Erfahrungen haben Würzburgerinnen und Würzburger mit „Cash only“ gemacht? Hier gibt es einige Geschichten, die uns die Menschen der Stadt auf Facebook und Instagram erzählt haben.
Überwiegend Unverständnis für fehlende Kartenzahlungsmöglichkeiten
- Melli schreibt auf Instagram: „Ich bin mit meinem Baby mal abends mit dem Zug (in Würzburg) angekommen und das Bargeld hat nicht gereicht, um mich (per Taxi) zwei Kilometer nach Hause zu fahren. Hat mich wegen eines Euros natürlich nicht mitgenommen. Ich hätte zu Hause bezahlen können. Da dachte ich mir auch: In welcher Zeit leben wir eigentlich?“
- Philipp B. schreibt auf Insta: „Ich habe immer Bargeld dabei. Es ist sicherer als die Technik mit Karte.“
- Dirk F. schreibt: „Ich habe in den letzten zehn Jahren nur 2x mit Karte gezahlt, und das war beide Male, weil es aufgrund von Corona nicht anders ging beim MediaMarkt-Abholen und sonst geschlossener Filiale.“
- Don schreibt süffisant auf Instagram: „Wenn überall Kartenzahlung eingeführt wird, fährt bald keiner meiner Zellerauer Cousins mehr BMW.“
- Sabine H. sagt: „In der ganzen Welt kann man mit Karte zahlen, Bus und Straßenbahn immer nur mal Karte hinhalten. Klasse! Vermisse ich bei uns.“
- Andras S. schreibt auf Facebook: „Wo Kartenzahlung nicht möglich sein soll, findet sehr oft Steuerhinterziehung statt.“
- Michael W. kommentiert: „Ich gehe generell nicht in Etablissements oder nutze Dienste, die man nicht zeitgemäß mit Karte bezahlen kann. Schlicht und einfach. Wir haben 2025.“
- Tanja M. schreibt: „Bargeld ist eine der letzten Möglichkeiten, den Glauben an ein klein wenig Anonymität aufrechtzuerhalten.“

Blick durchs Fenster einer Würzburger Bäckerei, die keine Kartenzahlung akzeptiert. Foto: Philipp Heilgenthal
Mitgefühl mit Geschäften und Dienstleister, die bei Kartenzahlung Umsatz abgeben müssen
- Mirjam schreibt auf Instagram: „Leider wissen viele Kunden immer noch nicht, wie hoch teilweise die Transaktionskosten bzw. Mietkosten für manche Geräte und Dienstleistungen sind. Deshalb nicht gleich ausflippen, wenn EC-Kartenzahlung nicht funktioniert.“
- Michael L. stimmt dem zu: „Ihr müsst aber auch die Geschäfte verstehen, die für jede Kartenzahlung Prozente vom Rechnungsbetrag an die Bank zahlen müssen.“
Wie viel muss bei einer Kartenzahlung an Banken und EC-Dienstleister gezahlt werden?
Die Transaktionsgebühren, die Händler und Dienstleister für Kartenzahlungen (EC-/Debitkarte oder Kreditkarte) zahlen müssen, unterscheiden sich je nach Kartentyp, Anbieter, Vertragsbedingungen und manchmal auch nach Umsatzvolumen des Händlers. Hier eine allgemeine Übersicht für Deutschland (Stand: 2024):
EC-Kartenzahlungen (girocard)
- Kosten: Meist zwischen 0,2 % und 0,3 % des Umsatzes (manchmal Mindestbetrag pro Transaktion, z. B. 5–10 Cent).
- Hinweis: Durch Verhandlungen, Volumenrabatte oder spezielle Händlerkonditionen kann der Preis günstiger sein.
Kreditkartenzahlungen (Visa, Mastercard)
- Kosten: In der Regel zwischen 1,0 % und 3,0 % des Umsatzes.
- Visa, Mastercard: Meist 1,0–2,5 % (plus eventuell eine fixe Gebühr pro Transaktion, z. B. 10–15 Cent).
- American Express & Diners Club: Oft noch etwas teurer, häufig >2 %.
- Unterschiede: Kleine Händler zahlen häufiger höhere Sätze als große Ketten.
- Zusatzkosten: Neuerdings werden auch Gebühren für kontaktlose Zahlungen oder gewisse Bonussysteme weitergegeben.
Fazit: Ohne Kartenzahlung geht es für viele nicht, der Notgroschen bleibt dennoch Thema
Die meisten Rückmeldungen zeigen: Kartenzahlung wird als absoluter Standard vorausgesetzt. Während einige Nutzerinnen und Nutzer an Bargeld festhalten und dessen Vorteile in Sachen Sicherheit oder Anonymität betonen, erleben andere immer wieder Alltagssituationen, in denen sie sich mit Bargeld im Nachteil fühlen – etwa durch unflexible Zahlungsmöglichkeiten im Nahverkehr oder bei Taxifahrten. Den Notgroschen halten aber immer noch viele vor und haben eine gewisse Menge Bargeld dabei, um eben nicht in die Bredoullie zu geraten.
Was denkst du?
Hast du eigene Erfahrungen mit fehlenden Kartenzahlungsmöglichkeiten gemacht? ? Schreib uns deine Meinung gerne in die Kommentare auf Facebook!

