So reagieren die Würzburger auf die steigenden Gastropreise
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Lena Frese
24. September 2025

Ein Glas Wein gehört für viele zu einem Restaurantbesuch dazu. Foto: Silvia Gralla
Ein Glas Rotwein beim Abendessen, ein prickelnder Riesling an einem lauen Sommerabend oder ein fruchtiger Rosé auf dem Balkon – kaum ein Getränk steht so sehr für Genuss, Geselligkeit und kleine Auszeiten im Alltag wie Wein. Auch zu einem Besuch im Restaurant gehört ein Glas Wein für die meisten Gäste dazu. Doch spätestens beim Blick in die Weinkarte wird so mancher Restaurantgast stutzig. Die Flasche, die man aus dem Supermarkt kennt, kostet hier plötzlich das Drei- oder Vierfache. Ein Restaurant in der Würzburger Altstadt verlangt für ein 0,25l Glas Primitivo Hauswein beachtliche 10 Euro. Doch nicht nur beim Wein, sondern auch bei den Speisen stellen viele Gäste fest, dass die Preise in den letzten Jahren spürbar angezogen haben.
Unverschämt teuer oder mittlerweile normal?
Wir haben gefragt, was unsere Community von den Preiserhöhungen sowohl beim Wein als auch beim Essen generell hält. Hier sind einige Antworten, die uns auf unseren Beitrag auf Facebook und Instagram erreicht haben.
Für die einen gehört das einfach zum Restaurant-Erlebnis dazu, für andere wirkt es eher abschreckend. Aussagen wie „10 Euro für ein Viertel Wein ist schon unverschämt“ (Uwe B.), „Ich finds dreist, sorry“ (Susanne G.B.) und „Abzocke!!!“ (René D.) sind nur ein paar Beispiele für den Unmut der Leute. Für viele Userinnen und User liegt die Schmerzgrenze bei 6,50 bis 7,50 Euro für ein 0,25l Glas Wein.
Auch auf Instagram haben wir nach eurer Meinung gefragt. Dort stieß der Preis ebenso auf Unverständnis. „Grenze klar überschritten“ „Nicht mehr hingehen. Es gibt anderen Pizzerien.“ „Frecher Preis“ sind einige der Kommentare.
Die meisten sind sich einig, dass die Preise weiter steigen werden, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten den Wein zu den aktuellen Preisen kaufen. Nate N. schreibt „Solange diese völlig überhöhten Preise bezahlt werden, wird es kein Ende der Preisspirale geben“. So sieht es auch Stephanie v. H., sie schreibt „Solange die Gäste es bezahlen, wird es keine Grenze geben“.
Wiederum beschweren sich einige Würzburgerinnen und Würzburger darüber, dass die Preise in Deutschland im Vergleich zu den Preisen in Italien unverhältnismäßig höher sind. Rudolf T. schreibt „In Kalabrien kostete vor ein paar Wochen ein halber Liter Wein in Restaurants zwischen 6,00 und 7,50 Euro. Ein Liter Mineralwasser zwischen 2,50 und 3,50 Euro. Hier fühlt man sich als Gast leider ausgenutzt.“ Martin M. schreibt auf Facebook „Komischerweise kostet die in Italien immernoch nur max 12€ am sehr beliebten Urlaubsort. Margharita, 7€„. Außerdem schreibt er noch „Aber auch in Wü gibt es noch günstige und gute Läden.“
Hot Spots Schuld an den gestiegenen Preisen?
Einige machen vorallem die anhaltenden Besucheranstürme auf die beliebten Touristenorte für die Preise verantwortlich. „Solange die Menschen nach wie vor in Scharen auf die Alte Mainbrücke und an andere „hot spots“ rennen, werden sich einige wenige Gastronomen dieser Stadt weiterhin eine goldene Nase verdienen“ schreibt Martia S. auf Facebook.
Manche suchen bewusst nach Alternativen. Viele würden eher zu günstigerem Wein auf der Karte greifen oder greifen lieber direkt zu anderen Getränken. Monika K. bestellt mittlerweile eher ein Bier, obwohl sie lieber einen Wein trinken würde oder Heidemarie F. trinkt lieber einen Silvaner als den italienischen Hauswein, weil dieser günstiger ist.
Gäste ziehen Konsequenzen
Doch wie wirken sich die Preiserhöhungen auf das generelle gastronomische Verhalten der Bürgerinnen und Bürger aus? Wie oft geht man wirklich noch essen? Eine weitere Umfrage in unseren sozialen Netzwerken zeigt einen deutlichen Unmut über die Kosten beim Auswärtsessen.
Im Mittelpunkt vieler Kommentare steht der Eindruck, dass ein normales Essen im Restaurant zur Luxusangelegenheit geworden ist. Susanne Grom-Bach berichtet „Wir haben reduziert. Ich finde die Preise im Moment einfach nur dreist. Waren kürzlich beim Italiener, 2 Pizza, einmal Lasagne, ein Rotwein, Spezi, 2 Coke Zero und ein Cappuccino… Fast 100€„. Auch Fre Di schreibt auf Facebook „Mir sind die Getränke zu unverschämt teuer geworden. Nein, kein Wein oder Bier. Es kann doch nicht normal sein, dass man 5 Euro für ein 0,4 Glas Limo hinblättern muss“. Ähnlich ernüchternd äußert sich Carsten S.: „Früher 2x die Woche, heute 1x im Monat.“ und Bastian E. sagt klar: „Essen gehen maximal 2 oder 3 mal im Jahr, bestellen auch kaum noch. Ich unterstütze das nicht mehr!“.
Selbst kochen statt Essen gehen
Die gestiegenen Preise führen laut den Kommentaren dazu, dass viele lieber zuhause kochen und gemeinsam mit Freunden essen. Instagram User Holzi0812 geht gar nicht mehr essen und lädt lieber Freunde zu sich nach Hause ein, um dort gemeinsam zu kochen. Auch Dschoensle betont: „Schon lange nicht mehr. Ich koche lieber selbst, da weiß ich, was drin ist und es schmeckt auch so wie ich mir es vorstelle.“ Udo P. kauft sich für das Geld, was er im Restaurant ausgeben würde, lieber anständige Lebensmittel und kocht damit zuhause. Bemerkenswert ist: Trotz der Kritik bleiben viele Restaurants offenbar gut besucht. „Wir gehen immer sonntags zum Essen… und lauft mal durch die Stadt, alles immer gerammelt voll.“ schreibt Userin Heidi Weichert.
Dennoch gibt es vereinzelt auch positive Stimmen. Torstengoldbach_ schreibt auf Instagram „Das bezahle ich nie! Es gibt Restaurants, die eine große Meeresfrüchte-Pizza und 1 Wein für 15 Euro anbieten.“ Auch Eristes82 sagt „Wir gehen dorthin, wo das Preis-/Leistungsverhältnis noch stimmt. Also nicht in solche Läden.“ Es gibt also durchaus noch Anlass zur Hoffnung, dass man auch künftig in Würzburg Restaurants finden kann, in denen Genuss und Qualität nicht automatisch mit überhöhten Preisen einhergehen müssen.
Fazit
Die Reaktionen unserer Community zeigen deutlich: Die Preise für Wein und insgesamt für Restaurantbesuche sorgen vielerorts für Unmut und Unverständnis. Für viele Gäste sind hochwertige Speisen und Getränke auswärts mittlerweile zum Luxus geworden, sodass der spontane Besuch beim Lieblingsitaliener zur Ausnahme statt zur Regel wird. Trotz aller Kritik sind viele Restaurants weiterhin gut besucht, insbesondere an attraktiven Standorten. Letztlich bleibt die Preisgestaltung ein Balanceakt für die Gastronomie zwischen steigenden Kosten, wirtschaftlicher Notwendigkeit und der Zahlungsbereitschaft der Gäste. Wie hoch der Preis für ein Glas Wein oder ein Essen im Restaurant sein darf, bleibt subjektiv. Am Ende entscheidet jede und jeder selbst, wer bereit ist, den Preis zu zahlen oder doch lieber zuhause kocht und dort ein Glas Wein genießt.

