Würzburg pur: Was es mit dem Brückenschoppen auf sich hat
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Philipp Heilgenthal
25. November 2025

Der Brückenschoppen ist inzwischen die wohl bekannteste und beliebteste Attraktion in Würzburg Foto: Georg Knoll
Die Stadt Würzburg in Unterfranken ist bekannt für ihre stolze Festung Marienberg, ihre vielen wunderbaren Kirchen und ihre barocke Baukunst – nicht zuletzt in Form der Residenz, die als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet ist. Doch es gibt in Würzburg seit einigen Jahren eine sehr beliebte Attraktion, die sich von den vielen architektonischen Sehenswürdigkeiten zwar komplett unterscheidet, aber dennoch eng mit ihnen verknüpft ist: den Brückenschoppen. Wir klären auf, wie es zur Idee kam, Wein auf der Alten Mainbrücke auszuschenken, was den Brückenschoppen weit über den Main hinaus einzigartig und beliebt macht, und welche Kontroversen diese relativ neue Tradition mit sich zieht.
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Woher kommt der Name „Brückenschoppen“?
Der Name „Brückenschoppen“ ist eine fast selbsterklärende Zusammensetzung aus den Wörtern „Schoppen“ und „Brücke“. Der „Schoppen“ ist in Franken gleichbedeutend für ein Glas Wein. Dabei handelt es sich um eine uralte Maßeinheit. Denn anders als in vielen anderen Weinregionen bekommt man in Franken einen Schoppen, also 0,25 l statt lediglich 0,2 l oder noch weniger Wein eingeschenkt. In Würzburg bekommen Weinliebhaber den Schoppen in einem edlen Glas auch auf der Alten Mainbrücke ausgeschenkt und können ihn bei einer phänomenalen Aussicht auf Wahrzeichen wie die Festung Marienberg und das Käppele genießen. Daher der Name „Brückenschoppen“.
Die Alte Mainbrücke – Vom einzigen Flussübergang in Würzburg zum Tourismus-Hotspot

Die Alte Mainbrücke ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen ein beliebter Aussichtspunkt. Foto: Benjamin Brückner
Die Alte Mainbrücke in Würzburg ist ein stolzes Wahrzeichen der Stadt. Bereits 1133 stand an der heutigen Stelle eine Steinbrücke, womit sie zu den ältesten Steinbrücken Deutschlands zählt. Vor allem Hochwasser nagten immer wieder an dem Bauwerk, sodass es im späten 15. Jahrhundert neu erbaut werden musste. Aus dieser Zeit stammt noch heute die Form und die Bausubstanz der Alten Mainbrücke, die bis 1888 der einzige Flussübergang in Würzburg blieb. In ihrer Pracht, historischen Bedeutung und Form erinnert sie viele Besucherinnen und Besucher an die Karlsbrücke in Prag (vor allem wegen der Heiligenfiguren, genannt „Brückenheilige“) oder die Steinerne Brücke in Regensburg. Da im 20. Jahrhundert der Verkehr immer weiter auf andere Brücken verlagert wurde, erklärte der Würzburger Stadtrat das Wahrzeichen 1992 zur Fußgängerzone. Durch den neu geschaffenen Raum für Fußgängerinnen und Fußgänger und wegen der unvergleichlichen Atmosphäre entwickelte sich die Alte Mainbrücke im Laufe der Jahre zu einem echten Hotspot für Touristinnen und Touristen gleichermaßen wie für Einheimische und Tagesgäste aus der näheren Umgebung.
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Wann und von wem wurde der Brückenschoppen erfunden?
Durch eine einfache, aber geniale Idee wurde die Alte Mainbrücke ab 2009 noch beliebter als ohnehin schon. Zu dieser Zeit gab es bereits mehrere Gastronomieangebote auf und am Fuße der Brücke. Eines davon war das heute noch bestehende mainwelt Weinbistro der Winzergenossenschaft Franken (GWF). Betreiber Cornelius Lauter erkannte damals, wie gerne die Menschen hier draußen verweilen. Er kam daher als erster auf die Idee, den Gästen gegen Pfand zu erlauben, ihren Schoppen auch mit nach draußen nehmen zu dürfen. Der Brückenschoppen war geboren. Die Verantwortlichen der Alten Mainmühle bestreiten dies jedoch und behaupten, selbst als erste auf die Idee gekommen zu sein. Die übrigen Gastronominnen und Gastronomen an der Alten Mainbrücke erkannten schnell das Potenzial dahinter und richteten ebenfalls einen Weinverkauf für draußen ein. Folgende Lokale bieten heute den Brückenschoppen an:
- mainwelt Weinbistro (Betrieben von der GWF)
- Gasthaus Alte Mainmühle
- Caféhaus Brückenbäck
- Köhlers Vollkornbäckerei
Was ist so besonders am Brückenschoppen in Würzburg?
Das einzigartige Flair des Brückenschoppens ist nur schwer in Worte zu fassen. Hier ein Versuch: Gäste aus nah und fern, für die ein Brückenschoppen bei einem Würzburg-Besuch ein Muss ist, würden auf die Frage nach dem Warum sagen: „Das musst du einfach erlebt haben“. Nun ist es so, dass der Frankenwein Teil der DNA der Menschen in Mainfranken ist. Dies sieht man bereits an den vielen Weinbergen, die die schöne Landschaft rund um den Main prägen. Daher wird die Region rund um Würzburg auch gerne mal „Fränkische Toskana“ genannt.
Steht man direkt auf der Alten Mainbrücke, bekommt man den wohl besten Eindruck davon, wie es zu diesem Spitznamen kam. Als würde dies nicht schon für ein italienisches Urlaubsfeeling reichen, kommt ein Aperitif mit Freundinnen und Freunden und einem Wein aus den Weinbergen, auf die man gerade blickt, on top. Dieses besondere lebensfreudige Gefühl mitten in Deutschland, gepaart mit der Aussicht auf gleich mehrere wunderschöne Sehenswürdigkeiten von Würzburg, ergeben wohl die Zutat für die Einzigartigkeit des Brückenschoppens.
Von der Alten Mainbrücke hat man eine Reihe der schönsten und wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Würzburg auf einen Blick:
- Festung Marienberg
- Käppele
- Grafeneckart (altes Rathaus)
- Dom
- Marienkapelle
- Weinlage Würzburger Stein mit dem Schlosshotel Steinburg
Wird auf der Alten Mainbrücke nur Wein ausgeschenkt?
Klassischerweise trinkt man in Würzburg und den übrigen Weinbaugebieten in Franken trockenen Weißwein wie Silvaner oder Müller-Thurgau. Da jedoch die Geschmäcker gerade von Gästen aus der Ferne und aus anderen Ecken von Deutschland verschieden sind, gibt es auf der Alten Mainbrücke nicht nur weißen Frankenwein. So wurde das Getränke-Angebot des Brückenschoppens erst auf Rotwein und Rotling und später auch auf Aperol Spritz, Hugo und einige alkoholfreie Getränke ausgeweitet. Im September und Oktober gibt es außerdem Federweiser. Sogar im Winter muss man nicht auf den Brückenschoppen verzichten. Denn zur kalten Jahreszeit gibt es von der Mainmühle und den anderen Brückenwirten neben klassischem Wein auch Glühwein, Hot Aperol und andere Heißgetränke zum Aufwärmen.
Konflikte und Probleme rund um den Brückenschoppen
Nicht jeder in Würzburg ist froh über den Brückenschoppen und freut sich über das rege Treiben und dem vielen Tourismus auf der Alten Mainbrücke.

Auf der Alten Mainbrücke kann es schnell mal eng zugehen. Foto: Daniel Peter
Andrang ärgert vor allem Radfahrer
Leidtragende des regen Treibens sind vor allem Radfahrer. So führt über die Alte Mainbrücke eigentlich offiziell der Mainradweg. Vor allem, da die benachbarte Löwenbrücke für Radfahrerinnen und Radfahrer unsicher und unattraktiv gestaltet ist, wäre die Brücke zwischen Grafeneckart und Marienberg besonders wichtig als Übergang für die vielen Würzburgerinnen und Würzburger, die täglich mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wenn da nicht die vielen Brückenschöppler wären, die mit ihren Gläsern den Weg kreuzen oder von der fabelhaften Aussicht abgelenkt sind. Radfahrerinnen und Radfahrer sind dadurch tagsüber oft gezwungen, über die Alte Mainbrücke zu schieben. Auch viele einheimische Passantinnen und Passanten zu Fuß sind von dem Gedränge auf der Brücke nicht selten genervt.
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Brückenwächter sorgen für Sicherheit
Um bei all dem Andrang für Ordnung zu sorgen, gibt es seit der Erfindung des Brückenschoppens die Brückenwächter – eigens eingesetzte Securities. Unter anderem sensibilisieren sie Gäste für den Durchgangsverkehr und passen auf, dass weder Gläser noch Personen auf der Brüstung stehen oder sitzen. Generell treten die Brückenwächter und -wächterinnen besonders deeskalierend auf und stehen vor allem für Fragen rund um den Brückenschoppen zur Verfügung.
Hoher Preisanstieg in den vergangenen Jahren
Für viele ist ein weiteres Ärgernis der Preisanstieg beim Brückenschoppen. Dieser stößt gerade einheimischen Brückenschoppenfans bitter auf. Nun ist es so, dass man den Frankenwein in der Weinregion Mainfranken sowohl im Einkauf als auch in der Gastronomie vergleichsweise günstig bekommt. Ein Schoppen kostet in einer Würzburger Bar oft immer noch nur knapp 5 Euro (Stand Herbst 2024). An diesem Preissektor orientierten sich zunächst auch die Brückenwirte. Mit zunehmender Beliebtheit des Weinausschanks auf der alten Mainbrücke zogen die Preise jedoch immer mehr an. Inzwischen zahlt man für die Standardweine – je nach Lokal – 5,10 bis 6,50 Euro. 2019 waren die Preise noch etwa 25 Prozent günstiger. Die edleren Brückenschoppen kosten dann schon mal 8,50 oder 11 Euro. Ein 0,25 l Glühwein kostet im Winter 2025/26 an der Alten Mainmühle 5 Euro, beim Brückenbäck kostet die 0,2 l Tasse dagegen 4 Euro. Für Touristinnen und Touristen gerade aus Nicht-Weinregionen wie den USA oder den Niederlanden oder auch für Norddeutsche mehr als verkraftbar. Für Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber aus der Region jedoch äußerst ärgerlich, zumal man noch nicht einmal in einem Lokal sitzt.
An dieser Stelle gibt die Redaktion von Würzburg erleben einen Tipp, wie man die Urlaubskasse entlasten kann: Es spricht nichts dagegen, seinen eigenen Wein und seine eigenen Gläser mit auf die alte Mainbrücke zu nehmen, um sich damit Geld zu sparen.
Gibt es den Brückenschoppen nur in Würzburg?
Angesichts seiner Beliebtheit und seiner Strahlkraft weit über Würzburg hinaus hat der Brückenschoppen in den vergangenen Jahren natürlich einige Nachahmer gefunden. Einige der bekanntesten von ihnen werden im folgenden kurz näher beleuchtet.
Stadtschoppen in Kitzingen

Der Stadtschoppen in Kitzingen hat einen ähnlichen, aber anderen Flair als der Brückenschoppen in Würzburg. Foto: Silvia Gralla
So startete der Stadtmarketingverein Kitzingen 2017 auf ihrer Alten Mainbrücke einen Testlauf für einen eigenen Brückenschoppen. Ausgeschenkt wurde der Schoppen von einer mobilen Weinbar in den Sommermonaten Donnerstag bis Sonntag. 2018 bekam der Kitzinger Nachahmer einen eigenen Namen: Stadtschoppen. Auch in seiner Art hat die Attraktion ein Eigenleben entwickelt. So wird der Stadtschoppen seit 2020 – anfangs durch die Corona-Pandemie bedingt – auf der Stadtterrasse am Mainufer direkt neben der Brücke in Kitzingen ausgeschenkt.
Main-Mäuerle-Schoppen in Karlstadt
Ebenfalls 2017 kam in Karlstadt eine dem Brückenschoppen ähnliche Idee auf. Damals eröffnete das Weinlokal „Main Mäuerle“ direkt am Maintor mit Blick auf den Main. Wie auf der Alten Mainbrücke konnten Gäste anfangs auch hier ihr Glas Wein mit nach draußen nehmen und im Stehen am Lügenmäuerle parallel zum Mainufer genießen. Im Laufe der Jahre kamen jedoch juristische Streitigkeiten auf und das Main Mäuerle durfte fortan ihre Schoppen nur in unmittelbarer Nähe der eigenen Weinwirtschaft ausschenken. Dafür gab es 2024 in Karlstadt erstmals an jeweils vier Freitagen im Jahr einen mobilen Weinverkauf direkt am Main gegenüber des Mäuerles. Initiator Peter Reichel gab sich bei der Premiere optimistisch, dass sich der Main-Mäuerle-Schoppen in Karlstadt etablieren könnte.
Brückenhocken in Gemünden
Gemünden liegt zwar auch am Main, doch die dem Brückenschoppen ähnliche Veranstaltung in der Dreiflüssestadt findet auf der alten Saalebrücke statt. „Brückenhocken“ nennen die Einheimischen das „Mittelding zwischen Open-Air-Stammtisch und Nachbarschaftsplausch“, wie es die Main-Post beschreibt. Von Mai bis September treffen sich überwiegend Einheimische jeden ersten Freitag im Monat völlig informell auf dem Flussübergang der Fränkischen Saale. Das Besondere: Die Gemündener Brückenhocker versorgen sich völlig selbst ohne einen offiziellen Verkauf.
Brückenbier in Bamberg
Auch die Bamberger schauten neidisch auf die Würzburger Idee eines Open-Air-Ausschanks auf einer Brücke ab. Da Bamberg die heimliche Bierhauptstadt ist, wird seit 2022 auf der Unteren Brücke am alten Rathaus mit Aussicht auf das Viertel „Klein-Venedig“ natürlich heimisches Bier statt Frankenwein ausgeschenkt. Doch das Brückenbier in Bamberg hängt dem Brückenschoppen in Würzburg (bisher) sowohl in Beliebtheit als auch in Bekanntheit noch weit nach.
Original Brückenschoppen in Würzburg unvergleichlich
Man sieht, dass es zwar in der Region Bemühungen gab, den Brückenschoppen in der jeweils eigenen Stadt ebenfalls zu etablieren. Am Ende diente das Original jedoch nur als Initialzündung für eine eigene Abwandlung. Schließlich kommt jedoch niemand an das Ursprungskonzept in der Domstadt ran. Nicht nur, dass die Aussicht und das Flair auf der Alten Mainbrücke einmalig sind: Sowohl Einheimische als auch Menschen aus der Region Mainfranken und Gäste aus der ganzen Welt verbinden den Brückenschoppen unmittelbar mit Würzburg und können ihn sich nirgendwo anders vorstellen.
Hinweis: Für den Inhalt des Service-Artikels wurden weder Gelder noch Dienstleistungen ausgetauscht – nicht einmal ein Brückenschoppen.

