In der Posthalle ist noch lange nicht Schluss

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Philipp Heilgenthal

12. Dezember 2025

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Comedy-Auftritt in der Posthalle. Künftig soll es hier mehr Kultur und weniger Party geben. Foto: Silvia Gralla

Auch wenn von der Posthallen GmbH am 15.02.2026 endgültig die letzte Party stattfindet, heißt das für die übrigen Pächterinnen und Pächter der Posthallen noch lange nicht, dass bald Schluss sein wird. Auf Anfrage nahm die Beethovengruppe als Eigentümerin Stellung, dass es mit dem Immerhin, Lasertag und Co. weitergeht. Und auch die Veranstaltungshalle wird künftig noch für lange Zeit weiterbetrieben werden.

Posthallenareal ein echter Glücksfall für das Immerhin und andere Pächter

Die meisten der Dutzenden Pächterinnen und Pächter in den Posthallen sind im weitläufigen Keller untergebracht, so auch der Kulturklub Immerhin. Für sie sind die bisherigen Räume ein echter Glücksfall: „Du kriegst in Würzburg nirgendwo mehr solche passenden Räumlichkeiten in diesem Preissegment – und dann noch in so einer perfekten, zentralen Lage“, weiß der Daniel Peter, einer der vielen ehrenamtlich Engagierten im Immerhin. Als Pächter eines Fotostudios in der Posthalle wäre er vom Abriss gleich doppelt betroffen.

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„Wir sind kein unproblematischer Mieter“

Wie perfekt die bisherige Location gerade für die nicht kommerziell betriebene Konzertlocation und Bar ist, wird vor allem bei der Suche nach einem anderen geeigneten Ort bewusst: „Wir sind kein unproblematischer Mieter. Wir sind laut, am Wochenende bis spät besucht und auch vor der Tür würden sich Anwohnerinnen und Anwohner an den Gesprächen unserer rauchenden Gäste stören“, gibt Peter zu bedenken und verweist auf Probleme in der vorherigen Location am Friedrich-Ebert-Ring. Zwischen den meterdicken Betonwänden im Untergrund der Posthalle und im Eingangsbereich neben den Bahngleisen alles gar kein Problem. Aber sonst? Blieben nur abgelegene Objekte in den Industriegebieten wie etwa in der Nürnberger Straße – nachts ohne Auto von der Innenstadt kommend gefühlt eine halbe Weltreise. „Egal, wo wir hinziehen werden: Der neue Standort wird definitiv schlechter sein“, weiß der Mitbetreiber des Immerhin. Gleiches gelte für sein Fotostudio.

Eingang zur Rockbar Immerhin im Keller der Posthalle. Foto: Sivlia Gralla.

Eingang zur Rockbar Immerhin im Keller der Posthalle. Foto: Sivlia Gralla.

Chronologie der gescheiterten alternativen Standorte der Posthalle

Noch keine Kündigung für die Pächter

Doch bisher waren die Verantwortlichen des Kulturklubs sehr entspannt. „Wir rechnen damit, noch weit über Jahresende hinaus bleiben zu dürfen. Wir haben noch nicht einmal eine Kündigung oder Ähnliches erhalten!“, verriet Daniel Peter vor genau einem halben Jahr. Er rechnete seitdem damit, dass sogar noch Jahre ins Land gehen werden, bis die Beethovengruppe den Abriss des Kellers in Angriff nehme. Wie sich nun herausstellt, dürfte der Fotograf und Rockfan mit seiner bisherigen Einschätzung genau richtig liegen.

Abriss der Posthallen noch nicht in Aussicht

Während der Mietvertrag mit der Posthalle GmbH zum 31.03.2026 aufgelöst werde, seien „alle anderen Mietverträge hiervon losgelöst und laufen unverändert weiter“, stellte Oliver Drenkard bereits vor einem halben Jahr klar. Denn anders als die meisten bisher dachten, bedeutet das Ende der Posthalle als Veranstaltungshalle noch lange nicht das Ende der Nutzung des Areals für anderweitige Nutzungen. „Ein Rückbau des Posthallenareals und die Verwirklichung des im städtebaulichen Wettbewerb geplanten Bismarckquartiers kann zum heutigen Zeitpunkt noch nicht zeitlich eingeordnet werden. Hierzu bedarf es noch einer klaren Willensbildung der politischen Gremien in der Stadt Würzburg“, stellte Oliver Drenkard, Geschäftsführer der Beethovengruppe im Mai 2025 klar.

Stadt Würzburg übernimmt die Posthalle für fünf Jahre als Veranstaltungshalle

Ende November 2025 ließ Oberbürgermeister Martin Heilig in der Causa Posthalle die Bombe platzen. Bei der Verleihung der städtischen Kulturmedaille sagte Heilig: „Ich darf noch nicht zu viel verraten, aber wir sind kurz vor dem Durchbruch, die Posthalle für die Stadt zu erhalten.“ Auf Anfrage der Main-Post bestätigte der Oberbürgermeister, dass die Stadt bereits in Verhandlungen mit der Beethovengruppe stand, um die Veranstaltungshalle künftig selbst zu mieten und betreiben – und zwar für volle fünf Jahre. Am 12. Dezember 2025 bestätigte die Stadt Würzburg schließlich den Deal. Am 1. April 2026 übernimmt die Stadt Würzburg die Posthalle. Damit herrscht für die anderen Mieterinnen und Mieter endgültig Gewissheit, dass der schon lange geplante Abriss der Posthallen noch mindestens fünf Jahre auf sich warten lässt. Das kann dem Immerhin und Co. zumindest mittelfristige Planungssicherheit geben.

Area beim Lasertag. Foto: Johannes Kiefer.

Posthalle als Ersatz für das CCW während der Sanierung – Jojo Schulz ist raus

Die Posthalle soll der Stadt Würzburg unter anderem als Ersatz für die zwischenzeitige Schließung des Congress Centrums dienen. Das CCW muss generalsaniert und dafür zwischenzeitig für etwa zwei Jahre komplett geschlossen werden – voraussichtlich in den Jahren 2028 und 2029. Bisher plane die Stadt Würzburg fortan ein ähnliches Programm wie die Posthallen GmbH anzubieten. Allerdings heißt es in der Main-Post, die Beethovengruppe wünsche sich in der Posthalle künftig weniger Partys und mehr Kultur. Inzwischen sind auf der Webseite der Posthalle auch bereits Veranstaltungen über den März 2026 eingetragen, darunter die beliebte Comedyreihe „Nightwash“ und die traditionelle Eisheilige Nacht der Folk Rocker Subway to Sally, die immer zwischen Weihnachten und Silvester stattfindet. Auch diverse Messen sind fortan in der Posthalle geplant, verrät die Stadt Würzburg in einer Pressemitteilung.

Ob die Mitarbeitenden der Posthallen GmbH von der Stadt Würzburg für deren Betrieb übernommen werden würden, ist derzeit noch nicht geklärt. Fest steht jedoch, dass die Stadt ihre Pläne ohne den bisherigen Betrieber Jojo Schulz umsetzen werde. Mit ihm gab es zuletzt Unstimmigkeiten bei den Mietverhandlungen mit der Beethovengruppe. Die Gründe für die Kündigung der Posthallen GmbH seien „vielschichtig“ und „intern“, verkündete das Unternehmen bereits im Sommer. Oliver Drenkard sprach unter anderem von „negativen Begleiterscheinungen“ bei diversen Events für das Gelände.

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Hoffnung auf Integration der Pächter in Neubaupläne des Bismarckquartiers

Langfristig hält die Beethovengruppe jedoch an ihre bereits 2018 vorgestellten Pläne eines Neubaus für Büros, Wohnungen und Einzelhandel fest. „Vielleicht findet sich mithilfe der Stadt doch noch eine langfristige Lösung dafür, die Räumlichkeiten irgendwie in die Neubaupläne integrieren zu können“, hofft Peter insgeheim, betont jedoch gleichzeitig: „Ich verstehe, dass die Beethovengruppe eine andere Vorstellung zur Nutzung des Geländes hat und das ist auch völlig legitim.“ Bis dahin darf er getrost guter Dinge sein, dass er am bisherigen Standort des Immerhin und seines Fotostudios in der Bismarckstraße noch viele weitere glückliche Momente erleben darf.

Die Pläne aus dem Jahr 2018: So soll das künftige Bismarkquartier anstelle der Posthallen einmal aussehen 

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