Wo ist die beste Afterzugparty? Ein Kommentar zum Dilemma an Faschingssonntag in Würzburg

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Philipp Heilgenthal

4. Februar 2026

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Dicht gedrängte Faschingsfans: Viele zieht es nach dem Würzburger Faschingszug in die Posthalle. Unser Redakteur Philipp hat dagegen aus verschiedenen Gründen schlechte Erfahrungen beim Narrentanz gemacht. Foto: Ulises Ruiz

Ein Kommentar von Philipp Heilgenthal

Faschingssonntag: Herrlicher Ausnahmezustand in Würzburg! Der größte Faschingszug in Bayern schlängelt sich durch die Innenstadt und Massen von gut gelaunten, feierwütigen Menschen verfolgen begeistert das Spektakel, darunter viele Bekannte und Freunde von mir. Eigentlich müsste der Faschingssonntag für mich als Faschingsfan einer der schönsten Tage im Jahr werden. Doch nach dem Zug wird es schlichtweg unmöglich, die perfekte Location für die Afterzugparty zu finden, an allen Optionen ist etwas auszusetzen. Schnell steht man blöd da und ist furchtbar enttäuscht. Daher würde ich gerne meine Erfahrungen teilen und Tipps geben, wie man es besser machen kann.

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Ein besonderer Tag mit sehr hohen Erwartungen und sehr großem Enttäuschungspotenzial

Wer kennt es nicht: Bei einem so bedeutenden Tag, wie es der Faschingssonntag für mich ist, und bei dem so viel geboten ist, sind die Erwartungen extrem hoch und es kann so viel schiefgehen. Das Dilemma geht schon während des Faschingszugs los: Wo sollen wir uns hinstellen? Am Barbarossaplatz und in der Semmelstraße sind zu viele Kinder. Am oberen Markt und in der Sanderstraße sind zu viele Assis, dazwischen sind zu viele Langweiler. Am Sternplatz und am Vierröhrenbrunnen ist viel zu viel los, in der Augustinerstraße viel zu wenig. Irgendeine Kröte muss man immer schlucken.

Unser Redakteur Philipp Heilgenthal beim Faschingszug in Würzburg 2023 als er mit Würzburg International Network selbst teilgenommen hat. Foto: Heiko Becker

Die Gruppe kann sich nicht auf einen Ort zum Zuschauen einigen

Und dann bin ich ja nicht allein unterwegs. Der eine möchte nicht so weit laufen, die andere möchte eine anständige Toilette in der Nähe wissen. Der eine möchte dorthin, wo man guten Blick auf den Faschingszug hat, die andere dorthin, wo die Post abgeht. Am Ende setzt sich irgendein Dickkopf durch, der unbedingt unsere und mit einer anderen Freundesgruppe connecten möchte. Ob wir sie dann überhaupt finden, bleibt mehr als ungewiss. Aber gut, am Ende ist es eigentlich überall ähnlich gut und der Zug bleibt derselbe, egal, wo man ihn sieht. Die Stimmung innerhalb der Gruppe wird in der Regel auch nicht von einem ‚schlechten‘ Platz getrübt.

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Wenn man im Tierkostüm in den warmen Club geht und schwitzt wie ein Schwein

Ist das ‚geschafft‘, stellt sich die goldene Frage, wo wir danach feiern gehen sollten. In die Faschingshochburgen Sternbäck, Irish Pixie und Jenseits? Vergiss es! Allein vielleicht, aber niemals mit einer großen Gruppe. Auch andere Kneipen rund um die Domstraße sind direkt nach dem Zug brechend voll. In der Bombe könnte es gehen. Nur ist es da unten im kleinen Keller viel zu warm im Kostüm, das schließlich dafür ausgelegt ist, auch bei 0 Grad drei Stunden lang rumstehen zu können, ohne zu frieren. Bei manchen Kostümen kann man ja was ablegen. Aber irgendjemand mit einem dicken, künstlichen Tierpelz ist immer dabei, dem nach wenigen Minuten in einem engen Club nur so der Schweiß von der Stirn läuft. Im Laby und in der Katze herrscht dasselbe Problem.

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Die Posthalle am Faschingssonntag: Großraumtextilsauna, in der alle verloren gehen

Doch am schlimmsten ist es in der Posthalle. Nichts gegen die Posthalle an sich, aber an Fasching ist das der beste Ort, um richtig enttäuscht zu werden und genervt zu sein. Abgesehen davon, dass die Veranstaltungshalle beim Narrentanz zu einer Großraumtextilsauna mutiert, gehen alle Freunde erfahrungsgemäß in Sekundenschnelle verloren. Der eine holt sich an der einen Bar was zu trinken, die andere auf der anderen Seite, wiederum ein anderer steht draußen beim Rauchen, während die Nächste nur noch Augen für ihren neuen Schwarm hat und mit ihm in der riesigen Menge verschwindet. Und schon bin ich in der großen, dunklen Halle nur noch damit beschäftigt, verzweifelt irgendwelche bekannten Gesichter zu finden. Dabei könnte das eigentlich eine mega gute Party werden. Eigentlich, wenn es nicht Dutzende „aber“ gäbe.

Unsere Redaktion empfiehlt die Aufterzugparty am Vierröhrenbrunnen als erste Anlaufstelle nach dem Würzburger Faschingszug. Foto: webflasher

Bei einem weiten unnötigen Fußweg ist der Zorn der Gruppe gewiss

Das Zauberberg wäre mit einem großzügigen Außenbereich eine gute Alternative. Doch das ist fußläufig schon wieder viel zu weit weg. Und das Publikum ist uns eigentlich schon zu alt – wie im Brauhaus. Im Airport wäre es uns wiederum zu jung. Und wie wir dort hinkommen sollten, checkt zu dieser Zeit eh niemand mehr.

Die Sanderstraße wäre, wie immer, eigentlich eine Option. Doch in der einen Hälfte der Bars wird gar kein Fasching gefeiert und die andere Hälfte ist restlos überfüllt. Wenn man es schafft, sich reinzuquetschen, bekommt man ewig nichts zu trinken. Außerdem geht wertvolle Partyzeit auf dem Fußweg dorthin (die Strabas fahren ja nicht) verloren. Und den Zorn der Gruppe, wenn man am Ende dort keine passende Location gefunden hat, möchte ich nicht auf mich laden.

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Meine Tipps für eine gute Afterzugparty in Würzburg ohne große Enttäuschungen

Wo also soll man nur hin nach dem Würzburger Faschingszug? Hier sind meine persönlichen Tipps auf Basis weitreichender Erfahrungswerte und Schilderungen der letzten Jahre:

  1. Erst einmal ist die Afterzugparty am Vierröhrenbrunnen die perfekte Anlaufstelle. Beste Faschingshits, gute Stimmung, Getränke- und Essensstände sowie Toiletten in der Umgebung bieten alles, was man sich wünschen kann. Und man unterstützt mit dem Umsatz dort gleich die Organisatoren des Faschingszugs. Hier lassen sich auch gute, schnell zu findende Treffpunkte vereinbaren für Nachzügler und Leute, die kurz mal wegmüssen. Und gleichzeitig trifft man immer wieder zufällig bekannte Gesichter.
  2. Irgendwann muss man sich dann doch irgendwo aufwärmen und eine Abwechslung wäre gut. Hier mein Tipp: Einfach spontan treiben lassen. Am besten von jemanden irgendwo hinführen, der ein gutes Gefühl bei einer Location hat. Oft geht es in der sonst unscheinbaren, zwielichtigen Spielunke mehr ab als in jedem Club. Oder man landet plötzlich in einer WG und hat dort in kleiner Runde die beste Zeit überhaupt, egal, was all die Leute da draußen machen. Bei gutem Wetter kann es auch auf der Alten Mainbrücke zu irrwitzigen Momenten und Begegnungen mit anderen Kostümierten kommen.
  3. Und zuletzt ein wichtiger Tipp, den auch echte Kölner Jecken für ihren Rosenmontagszug geben: Wenn du einen Platz in einer Kneipe, Bar oder sonst was gefunden hast und es ist gut dort, dann bleib da auch und genieße es und lass dich nicht von einer vermeintlich besseren Party dort wieder rauslocken!

In dem Sinne: Helau, geht den Faschingssonntag nicht zu verkrampft an, dämpft die Erwartungen und macht das Beste aus der jeweiligen Situation und Location.

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