Dusche in der Küche? Das ist vor allem in Grombühl heute noch möglich
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Manuel Scholze
13. Februar 2026

Manche Würzburger Wohnungen, wie hier in Grombühl, verfügen noch immer über ein "Frankfurter Bad". Foto: Daniel Peter
Wer in Würzburg eine Wohnung sucht, braucht generell starke Nerven. Und manchmal auch eine ordentliche Portion schwarzen Humor. Denn hinter den wunderschönen Altbaufassaden, vornehmlich in Grombühl, verbergen sich bis heute sanitäre Situationen, die man eher in einem Kuriositätenkabinett als in einer modernen Wohnung vermuten würde.
Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber für viele Würzburgerinnen und Würzburger wie auch Ex-Bewohnerinnen und -Bewohner der Stadt Realität gewesen. Wobei, „gewesen“ stimmt nicht, in manchen Buden gibt es das immer noch. Wir haben die Community über unseren Facebook- und Instagram-Kanal befragt und die Kommentare zeigen:
Phänomen „Frankfurter Bad“: Warum Dusche und WC manchmal in der Küche stehen
Bevor wir zu einigen grauenhaften Stories kommen, ein kleiner Exkurs in die Geschichte. Warum zum Teufel steht eine Dusche in der Küche? War das mal hip? Tatsächlich war es das. Was wir heute als Zumutung empfinden, war Anfang des 20. Jahrhunderts, ab circa 1910, eine echte Innovation. Vorher gab es Toiletten oft nur im Treppenhaus oder im Hof, die man sich mit dem ganzen Haus teilen musste, zeigen Einträge auf baunetzwissen.de oder Wikipedia. Das sogenannte „Frankfurter Bad“ brachte dann die Hygiene in die eigene Wohnung.
Da die Küche meist der einzige beheizte Raum war (durch den Kohleherd) und dort bereits Wasseranschlüsse lagen, war es die logischste und günstigste Lösung, die Badewanne oder Dusche dort in einer Nische unterzubringen. Es war also mal ein Zeichen von Fortschritt. Heute ist es eher ein Zeichen für „noch nicht saniert“.
Jürgen W. hat diese Erfahrung gemacht und bringt es bei der Nachfrage nach den gruseligsten Wohnungserfahrungen trocken auf den Punkt: „Eine Wohnung mit Dusche direkt in der Küche.“ Der Klassiker. Auch Karsten S. erinnert sich an wilde Zeiten in einem unserer kultigsten Stadtteile: „Was es nicht alles in Wü gibt – vor ca. 38 Jahren hab ich mir in Grombühl auch so ne Wohnung mit Dusche in der Küche (so ein Fertigplastikding) angeschaut – neee danke.“
Grombühl und das Frankfurter Bad – eine Liebesgeschichte, die offenbar Jahrzehnte überdauert.
Manchmal ist auch einfach die Enge im Bad das Problem
Andere bedauern die schiere Enge. Karin M. berichtet von einer Dachgeschosswohnung in bester Lage (Nähe Alte Mainbrücke!): „Die Dusche war mitten in der Küche, Duschvorhang drumrum, und die Badtür ging mir bis zur Nase, also jedes Mal ducken, um auf Toilette zu gehen, wäre schmerzhaft gewesen, wenn man mal nicht dran denkt, aber, die Wohnung war günstig!“
Hier sehen wir das klassische Würzburger Dilemma: Lage top, Preis okay, aber dafür braucht man einen Helm für den Toilettengang.
Jetzt wird es wild. Duschen in der Küche kennen wir. Aber Toiletten? Jana K. hat in Lengfeld eine Erfahrung gemacht, die man so schnell nicht vergisst. Aus einem Teil des Untergeschosses wurde eine Einzimmerwohnung gebastelt: „Das Mini-WC ohne Waschbecken war ähnlich wie in einem Campingmobil gleichzeitig die Dusche. Dementsprechend gab es auch nur einen Duschvorhang anstatt der Tür. Direkt davor war die Küchenzeile. Ich hätte mir also vom Klo aus ein Spiegelei braten können…“
Multitasking auf einem ganz neuen Level! Auch Sandra F. und Detlef R. kennen das Prinzip „Vorhang statt Tür“. Detlef erzählt aus der Rotkreuzstraße: „Das Klo in der Küche mit einem dicken Vorhang drumrum.“ Sandra bestätigt: „Die Dusche und die Toilette waren in der Küche. Vor der Toilette war nur ein Vorhang zum Abtrennen.“
Privatsphäre? Wird völlig überbewertet.
Darf das heute noch sein?
Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Ist das überhaupt noch legal? Jein. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) schreibt heute für Neubauten ganz klar vor: Jede Wohnung muss ein Bad mit Badewanne oder Dusche und eine Toilette haben. Und nein, eine Toilette in der Küche ohne feste Abtrennung entspricht sicher nicht mehr den modernen Hygiene- und Lüftungsvorschriften für Neubauten.
Aber: Es gibt den sogenannten Bestandsschutz. Wenn ein Haus gebaut wurde, als diese Regeln noch nicht galten (und das ist bei vielen Würzburger Altbauten der Fall), und seitdem nicht grundlegend umgebaut wurde, darf dieser Zustand so bleiben.
Der Markt regelt das langsam, aber sicher. Solche Wohnungen sind heute schwerer zu vermieten (außer über den Preis). Bei jeder Kernsanierung verschwinden diese Relikte. Die Küche wird verlegt, Wände werden eingezogen, und das „Frankfurter Bad“ stirbt aus. Bis dahin bleibt es für viele Studierende und Geringverdiener oft die einzige Möglichkeit, günstig in der Innenstadt zu wohnen.

