Was sich im Würzburger Rathaus seit der Kommunalwahl 2026 geändert hat
Anzeige
Marco Karaschinski
2. Juni 2026

Das Würzburger Rathaus. Foto: Pascal Höfig
Im Würzburger Rathaus sind zum Start der neuen Stadtratsperiode wichtige Entscheidungen gefallen. Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) hat eine Umstrukturierung der Referate angestoßen, die der Stadtrat mehrheitlich beschlossen hat. Parallel wurden die Bürgermeisterämter neu geordnet und neu besetzt. Alle Änderungen auf einen Blick.
Worum geht es bei den Änderungen im Rathaus eigentlich?
Der Stadtrat hat zum Start der neuen Periode zwei Sachen neu sortiert, nämlich die Rollen in der Stadtspitze und die Zuständigkeiten der Referate. Unterm Strich soll die Verwaltung klarer aufgestellt werden, auch wenn nicht alle überzeugt sind, dass das im Alltag automatisch einfacher wird.
Was ist die wichtigste Neuerung im Stadtrat?
Das Schulreferat wird in der bisherigen Form aufgelöst, Schule wandert ins Sozialreferat, Sport ins Finanzreferat und das Bildungsbüro für strategische Fragen wird näher an den Oberbürgermeister geholt.
Welche Linie verfolgt Oberbürgermeister Martin Heilig von den Grünen damit?
Heilig sagt sinngemäß, Bildung soll nicht nur als Schulthema verstanden werden, sondern stärker mit Teilhabe und sozialen Fragen zusammenhängen. Deshalb rücken Schule und Bildungsstrategie organisatorisch näher an Soziales und an sein OB-Büro.
Wer ist jetzt zweite und dritte Bürgermeisterin oder Bürgermeister?
Sandra Vorlová von den Grünen bleibt zweite Bürgermeisterin und führt weiterhin ein Referat, damit bleiben Klima und Umwelt sichtbar in der Stadtspitze. Joachim Spatz von der FDP ist dritter Bürgermeister, das Amt ist künftig ehrenamtlich und ohne eigenes Referat.
Was heißt es praktisch, dass der dritte Bürgermeister kein Referat mehr hat?
Der dritte Bürgermeister bleibt Stellvertretung und repräsentiert die Stadt, führt aber keinen eigenen großen Verwaltungsbereich mehr. Inhalte und Tagesgeschäft hängen damit stärker an den Referaten und am Oberbürgermeister.
Was ist mit Schule, Sport und dem Bildungsbüro passiert?
Schule ist jetzt im neuenSchul und Sozialreferat gebündelt, Sport ist beim Finanzreferat angesiedelt und das Bildungsbüro für die großen Linien sitzt künftig direkt beim Oberbürgermeister. Für Bürgerinnen und Bürger heißt das vor allem, dass sich Ansprechpartner und Wege je nach Thema ändern können.
Wer hat die Reform kritisiert und was war der Kern der Kritik?
Judith Roth Jörg von der CSU hat besonders deutlich kritisiert, dass Schule, Sport und Bildungsbüro im Alltag eng zusammenhängen und man sich durch die Aufteilung mehr Abstimmung einhandeln könnte. Andere habendagegen gehalten, dass Zusammenarbeit auch über Referatsgrenzen hinweg funktionieren kann.
Welche Rolle spielt Judith Roth Jörg nach der Umstellung noch?
Als frühere Schulbürgermeisterin war sie für viele das Gesicht der Themen Schule und Sport, genau diese sichtbare Klammer fällt mit dem neuen Zuschnitt weg. Im Stadtrat bleibt sie weiterhin als CSU-Stadträtin dabei, nur eben nicht mehr in der bisherigen Rolle in der Stadtspitze.
Und warum war die Stimmung rund um das Thema teilweise so gereizt?
Weil neben der reinen Organisationsfrage auch noch Nachwirkungen aus dem OB-Wahlkampf mitschwingen, in dem es 2025 rund um eine verwaltungsinterne E-Mail öffentlich gekracht hat. Solche Vorgeschichten machen Debatten über Ämter, Zuständigkeiten und Sichtbarkeit oft automatisch schärfer.
Wie sieht der neue Stadtrat nach der Kommunalwahl 2026 aus?
Der Würzburger Stadtrat hat 50 Sitze und es gab insgesamt keine riesigen Verschiebungen, die Grünen bleiben stärkste Kraft. Bei den Kommunalwahlen blieben sie mit 31,3 Prozent auch prozentual vorne. Neu im Stadtrat ist Volt, das mit zwei Sitzen einzog und kurz nach der Wahl eine Fraktionsgemeinschaft mit der SPD bildete, um im Stadtparlament handlungsfähig zu sein. Nach dem amtlichen Ergebnis verteilt es sich auf Grüne 16 Sitze, CSU 12 Sitze, SPD 4 Sitze, Freie Wähler 3 Sitze, Die Linke 3 Sitze, AfD 3 Sitze, FDP 2 Sitze und ÖDP 3 Sitze, dazu kommen einzelne Sitze für kleinere Listen. Daniel Halemba, umstrittener und angeklagter Spitzenkandidat der AfD, hat es überraschenderweise ganz knapp nicht in den Stadtrat geschafft. Die drei unteren Kandidaten haben mehr Stimmen erhalten, der mögliche vierte Stadtratssitz ging am Ende aufgrund der Stimmenverteilung doch noch an die Grünen. Für Furore sorgte der Wechsel von Barbara Meyer von der Linken zur ÖDP-Fraktion erst nach der Wahl (MP+).

