#weißtdunoch: Diese Erinnerungen haben die Würzburger an den Straßenmaler Marcel

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Marco Karaschinski

22. Juli 2026

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Marcel bei einer Arbeit 2017 am Portrait zum verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt. Foto: Theresa Müller

Jede größere Stadt hat sie, und jeder, der dort unterwegs ist, kennt sie vom Sehen: Menschen, die irgendwie dazugehören und die man irgendwann automatisch mit der Stadt verbindet. In Würzburg war Marcel so jemand. Viele erinnern sich an ihn kniend auf dem Pflaster der Fußgängerzone, die Kreide in der Hand, um ihn herum Farben und stehende Zuschauerinnen und Zuschauer, die kurz langsamer wurden. 

Wir haben unsere Social Media Community in unserer Rubrik „Weißt du noch?“ nach Marcel gefragt, dem Straßenmaler, den viele jahrelang fast täglich in der Innenstadt gesehen haben. Die Kommentare zeigen schnell: Marcel war für viele nicht nur ein Künstler, den man mal irgendwo gesehen hat. Er war ein fester Bestandteil des Würzburger Stadtbilds. 

Unser emotionaler Nachruf zum Tod von Marcel damals im November 2023

Wer war eigentlich der Straßenmaler Marcel in Würzburg? 

Marcel, bürgerlich Dietmar Herbert Artur Heinzelmann, war über lange Zeit Würzburgs bekanntester Straßenmaler. Seine Kunst entstand dort, wo sonst niemand Kunst erwartet: direkt auf dem Asphalt. Häufig malte er in der Nähe des damaligen Kaufhofs, außerdem an Orten wie der Juliuspromenade. Er malte Porträts, bekannte Motive, Weihnachtsbilder, politische Gesichter und Anspielungen auf berühmte Werke. 

Das Besondere war die Vergänglichkeit. Regen und Wind konnten ein Werk in kurzer Zeit auslöschen. Genau diese Eigenschaft macht vielen die Erinnerung bis heute so lebendig: Man sah etwas, das nur jetzt existierte, und später blieb es vor allem im Kopf. 

Nicht mehr da: Marcel fehlt, und das merken viele bis heute 

Als wir nach Marcel gefragt haben, kam bei vielen sofort Wehmut auf. Denn Marcel ist nicht einfach irgendwann aus dem Stadtbild verschwunden: Er ist gestorben. Marcel ist am Sonntag, den 19. November 2023, verstorben. Viele schrieben, dass sie sich immer gefreut hätten, wenn an seinem Platz ein neues Bild entstand und dass genau dieses kleine Stück Alltag heute fehlt. 

Eva schreibt, sie habe sich immer gefreut, wenn er an seinem Platz ein neues Bild gemalt hat, er fehle wirklich. Reiner beschreibt ein Gefühl, das viele teilen: Jedes Mal, wenn man an seinem Platz vorbeigeht, erinnere man sich an ihn. Karina schreibt, sie müsse immer an ihn denken, wenn sie dort vorbeiläuft. Und Uschi bringt es knapp auf den Punkt: Den gibt’s leider nimmer. 

Begnadeter Künstler, Teil von Würzburg 

Mit Blick auf die Kommentare wird schnell klar, wie viel Anerkennung Marcel bekommen hat. Uwe nennt ihn einen begnadeten Künstler. Thomas schreibt, wirklich bemerkenswert sei seine Malerei gewesen. Steve findet, das war klasse, was er immer gemalt hat. Joachim erinnert sich daran, wie er Marcel schon als Kind vorm Kaufhof bewundert hat. 

Ebert erzählt, er erinnere sich besonders an ein Motiv von Albrecht Dürer, die betenden Hände, damals vor dem Kino an der Juliuspromenade, „verdammt lange her“. Ingrid sagt, sie erinnere sich noch sehr gut, er habe immer in der Nähe vom Kaufhof gemalt. Natalia schreibt, sie erinnere sich sehr gut an ihn und seine Zeichnungen. 

Mehrere nennen ihn nicht nur talentiert, sondern auch als Persönlichkeit wichtig für die Stadt. Murat schreibt, Marcel sei ein wertvoller Mensch für Würzburg gewesen, sein Geist sei noch zu spüren. Christian schreibt kurz und klar: Ein Teil von Würzburg. 

Respekt vor der Kunst auf dem Boden 

Auffällig ist, wie oft in den Kommentaren Respekt mitschwingt. Nicht nur für Marcel selbst, sondern auch für seine Bilder. Monika schreibt, sie hätte am liebsten alle Leute angeschrien, die einfach drübergelatscht sind. David sagt, er konnte nie über die schönen gemalten Bilder laufen, aus Respekt. Solche Sätze zeigen, wie sehr viele seine Straßenkunst als etwas betrachteten, das man nicht einfach übergeht. 

Freigeist mit offenen Ohren und Zeit für Gespräche 

Viele Erinnerungen beschreiben Marcel nicht nur über seine Kunst, sondern über sein Wesen. Susanne nennt ihn einen Freigeist, der einiges zu sagen hatte, wenn man ihm zuhörte. Thoommy schreibt, er sei immer freundlich gewesen und er habe oft mit ihm gesprochen. Bötsch sagt, er sei ein toller Mensch gewesen und er habe seine Bilder geliebt. 

Auch Ali verbindet mit Marcel ein Gefühl von früher. Er schreibt, Würzburg sei damals noch so schön und friedlich gewesen, seit Marcel nicht mehr da ist, fühle es sich an, als würde etwas fehlen. 

Viele kleine Begegnungen, die hängen bleiben 

Neben den allgemeinen Erinnerungen tauchen viele persönliche Begegnungen auf. Ivonne erzählt, sie habe in einem Café in der Neubaustraße gearbeitet, dort sei Marcel manchmal abends auf einen Schoppen gekommen und sie hätten tolle Gespräche gehabt. Helmut berichtet von einer Notsituation, in der er Marcel geholfen habe, weil er seine Kunst sehr mochte. Wilhelm schreibt, Marcel habe die Vogelalm und seine Corvette gemalt. Anja erinnert sich daran, dass Marcel sich auch in Arnstein verewigt habe. Lena erzählt, sie habe ihn in Sulzfeld in ihrer Kellnerzeit kennengelernt und auch dort habe er mit seiner Kunst Spuren hinterlassen. 

Besonders eindrücklich ist eine Kindheitserinnerung von Denice. Sie schreibt, sie sei sechs Jahre alt gewesen, Marcel habe in der Unterführung die Mona Lisa gemalt und sie sei völlig beeindruckt gewesen. Er habe ihr eine Kreide in die Hand gedrückt und sie malte einen Schmetterling. Eine ältere Dame schenkte ihr dafür eine Mark. Den Blick von Marcel beschreibt Denice als lieb und wohlwollend. Das werde sie niemals vergessen. 

Eine Idee, die Marcels Kunst weitertragen könnte 

Unter den Rückmeldungen findet sich auch eine Nachricht, die zeigt, wie stark die Verbindung zu Marcel für manche bis heute ist. Sigrun Kramer schreibt, sie kenne Marcel schon sehr lange, seit 1980. Damals sei sie seine Freundin gewesen und sie habe die Berichte über Marcel im Internet mit Freude gelesen. 

Sie erzählt, dass sie noch einige seiner Bilder besitzt, Werke aus früheren Jahren und zusätzlich insgesamt fünf Bilder, die er in seinen letzten Jahren in Würzburg gemalt hat. Ihr Mann kenne Marcel ebenfalls von früher und habe als evangelischer Pfarrer die Trauerfeier für ihn gestaltet. 

Sigrun Kramers Idee ist, die Bilder, die sie noch hat, bis auf zwei zu spenden. Sie wünscht sich, dass in Würzburg eine Ausstellung organisiert wird, in der diese Werke gezeigt werden, um sie anschließend zu verkaufen oder zu versteigern. Der Erlös soll zu 100 Prozent an ein soziales Projekt in Würzburg gehen. Es wäre eine Möglichkeit, Marcel nicht nur als Erinnerung im Kopf zu behalten, sondern seine Kunst noch einmal sichtbar zu machen und zugleich etwas Gutes für die Stadt zu tun. 

Fazit: Marcel bleibt für viele ein Stück Würzburg 

Die Kommentare zeigen, wie vielen Marcel etwas bedeutet hat. Als Künstler, weil seine Bilder Menschen zum Stehenbleiben gebracht haben. Als Mensch, weil viele ihn als freundlich, offen und besonders in Erinnerung haben. Seine Kunst war vergänglich, oft nur für einen Tag oder bis zum nächsten Regen. Aber genau deshalb hat sie sich offenbar eingebrannt. Und auch wenn Marcel seit dem 19. November 2023 nicht mehr da ist, bleibt er für viele in Würzburg präsent, jedes Mal, wenn man an seinem Platz vorbeigeht und sich erinnert. 

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