Hartmut Fenn von der Unibibiliothek serviert „Fränkisch zum Frühstück“ und die Leute feiern es
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Manuel Scholze
1. September 2026

Hartmut Fenn begeistert seit Mitte April 2026 in authentischer Art mit fränkischer Geschichte. Foto: Screenshots Instagram (@ubwuerzburg) mithilfe der KI OpenAI Image 2
Wer lässt sich schon freiwillig von japanischer Kunst „lass inschbirier“ und wühlt danach völlig verzückt in den staubigen Zeugnissen der Bocksbeutelkunde, um den passenden „Weinfestkalenner“ aus den Siebzigern auszugraben? Hartmut Fenn. Der gute Mann ist seines Zeichens klassischer Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Würzburg und mutiert dort gerade zum Meme der fränkischen Lokalhistorie.
Man nehme das Instagramprofil der Unibib, starte dort Mitte April eine charmante kleine Rubrik namens „Fränkisch zum Frühstück“ und schaue einfach zu, wie die Sache völlig durch die Decke geht. Inzwischen hängen ihm Tausende an den Lippen, wenn Fenn recht authentisch und unaufgeregt ausführt, wie das damals mit der allerersten Schwimmschule am Würzburger Main eigentlich genau ablief.
Besonders herrlich und unerreicht authentisch wird es jedoch, wenn unser fränkischer Held im allertiefsten Dialekt ausgewalzt, weshalb der „Standord Dallavera im Summer“ für die feiernde Meute bei Kiliani schon früher kleine feuchte Tücken bereithielt. Wer tief in die historischen Abgründe eintauchen möchte, kann genau das tun. Hier gibt es alle bisherigen Meisterwerke auf dem Silbertablett.
Folge 1: Die Liebe im Frühling
Frühlingsgefühle auf Fränkisch zum Auftakt gefällig? Der Dichter Friedrich Rückert war offensichtlich so schwer verliebt, dass er seiner Luise glatt 160 Liebesgedichte widmete. Sein absoluter Bestseller Liebesfrühling traf damit genau den romantischen Nerv des damaligen Bürgertums.
In unserem neuen Video werfen wir einen Blick auf eine echte Prachtausgabe aus dem Jahr 1898. Warum dieses Meisterwerk seine Poesie nicht in schnöde Kapitel, sondern in emotionale Sträuße wie Sehnen und Glück unterteilt und wieso das fränkische Liebesgeflüster plötzlich in einem Einband im fernöstlichen Japanstil daherkommt, gibt es hinter folgenden Link:
Folge 2: Legitimationskarte für Studierende im 19. Jahrhundert
Wer im neunzehnten Jahrhundert an der Uni war, wedelte an der Kasse nicht mit einer schnöden Plastikkarte. Damals hieß das Ding ehrfurchtsvoll Legitimationskarte, bestand aus feinstem Papier und brauchte die Originalunterschrift des Rektors höchstpersönlich.
Wir zeigen euch im Video das schicke Exemplar von Joseph Leiling. Der studierte ab 1868 ganz entspannt Philosophie und verließ Würzburg später völlig ungeniert ohne Abschluss. War damals eben so üblich. Ob ihm der Zettel wenigstens den heiß ersehnten Rabatt beim Bocksbeutelkauf bescherte?
Folge 3: Weinfeste waren schon immer der Hit
Schnöde Listen waren in den Achtzigern völlig passé. Die Bocksbeutelkunde packte stattdessen die ganz großen Werbesprüche aus. Da hieß es vollmundig Ein Teufel von dem nur Gutes kommt oder man ging direkt Mit dem Teufel in der Hölle feiern. Wem das Haupthaar ausging, der fand herrlichen Trost bei Neuses am Berg und seine Glatzen. Und dass bei der Wiege der Fränkischen Weinfeste in Volkach oder beim Würzburger Winzerfest mit seinem amtlichen Schoppenrekord von 162.484 absolut niemand auf dem Trockenen saß, ist ohnehin klar.
Folge 4: Max war der erste Schwimmlehrer am Main in Würzburg
Planschen im Main war schon vor gut zweihundert Jahren der absolute Hit in Würzburg. Damit die bayerischen Soldaten dabei nicht wie nasse Säcke auf den Grund sanken, musste Offizier Max Hoderlein als Schwimmlehrer herhalten. Der zimmerte kurzerhand eine Garnisonsschwimmschule direkt in den Fluss und verfasste dazu das ultimative Handbuch der Schwimmlehre.
Wie man sich dank achtunddreißig anschaulicher Lithografien elegant über Wasser hält und welche Gesundheitsschützenden Verhaltungsregeln beim Baden damals absolut unabdingbar waren, seht ihr im Video.
Folge 5: Kiliani feiert bald sein 1000-Jähriges
Das Kiliani feiert demnächst seinen tausendsten Geburtstag. Bischof Meginhard leierte dem Kaiser schon 1030 das lukrative Messerecht aus den Rippen. Nach akuter Platznot zog der Rummel um. Wer um 1900 Nervenkitzel suchte, baumelte noch im Freiluftballon am Seil. Heute thront man lieber ganz entspannt im Riesenrad über dem „Standord Dallavera im Summer“.
Folge 6: Das ultimative Touristensouvenir vor 1900
Wer anno 1889 in Würzburg urlaubte, stopfte nicht nur Bocksbeutel in den Koffer. Das ultimative Souvenir war damals Woerls Album Collection. Von außen ein völlig harmloses Andenken mit den üblichen Verdächtigen wie Festung, Käppele oder Residenz. Doch zieht man daran, entpuppt sich das vermeintliche Büchlein als endloses Leporello, das einem völlig ungeniert die komplette Stadtansicht entgegenfaltet. Wie dieses historische Touristenwerkzeug in Aktion aussieht, erfahrt ihr im Video!
Folge 7: Schönen Urlaub, Herr Fenn!
Urlaubsgrüße, zum nächsten Semester gibt es sicher wieder neues Material!
Folge 8: Die uralte Tradition der Zwiebelkirchweih in der Semmelstraße
Schon seit 1647 findet jedes Jahr am 20. August die viertägige Wallfahrt von Würzburg zum Kreuzberg und zurück statt. Eng damit verknüpft ist die Zwiebelkirchweih in der Semmelstraße, die die Wallfahrerinnen und Wallfahrer traditionell mit Zwiebelblootz und natürlich auch Kaltgetränken herzlich empfängt. „Heitzudoch is die Zwiewelkerwa ja en Straßefest“. Doch das war nicht immer so. Hartmut erklärt im Video, wie sich das Fest von den Wirtshäusern auf die Straße verlagerte.

